10 Wege…

10 Wege…

... um Mountainbiken in Südtirol für sich zu entdecken

Biken wird zum Breitensport. Für all jene, die die Landschaft bislang noch gehend und wandernd für sich entdeckt haben, gibt es mehr als hundert Gründe für den Umstieg auf zwei Räder. Wir haben hier mal zehn davon:

  1. Weil schon Steve Jobs wusste, dass man hungrig bleiben muss, gehört zu Beginn der Appetit auf Trails und Touren angefacht. Für die anfängliche Begeisterung empfiehlt sich folgendes: Sehen Sie sich an, was Youtube zu den Stichwörtern „Biken“ und „Südtirol“ zu bieten hat, lassen Sie die Bilder von Bike-Magazinen auf sich wirken und dazu von passionierten Mountainbikern erzählen, warum der Flow so wichtig ist und der Vinschgau so schön. Sitzen Sie nachmittags bei bestem Wetter bei der Arbeit und stellen Sie sich vor, anstelle des Bildschirms eine Panorama-Bergkette vor blauem Himmel vor sich zu haben, der Sie im Fahrtwind entgegenfahren. Seien Sie also etwas hart mit sich.
  2. Hören Sie auf andere: „In den Dolomiten bergauf zu fahren ist meine Vorstellung vom Himmel“, sagt eine, die es wissen muss: Sally Bigham, die Siegerin der Rennens „Sella Ronda Hero“ 2013. Die Gebirgsumrundung mit Start in Wolkenstein in Gröden ist 84 Kilometer lang und führt durch das UNESCO Weltkulturerbe der Dolomiten, wo man dem Himmel wirklich ganz schön nahe ist.
  3. Werden Sie zum Helden! Es muss nicht – allein des Namens wegen – die genannte Sellaronda Hero-Strecke sein, selbst wenn es die auch in der Kurzversion von gerade mal 52 Kilometern gibt und die vier Dolomitenpässe Grödnerjoch, Campolongo Pass, Pordoijoch und Sellajoch mit der Aufstiegsanlage bewältigt werden können. Jeder bezwungene Pass und Aufstieg wird Teil der eigenen Heldensaga, von denen es in den Südtiroler Bergen eh schon manche gibt.
  4. Vielleicht finden Sie irgendwo wirklich König Laurins Rosengarten. Suchen sollten Sie ihn allemal. Am besten mit Start in Welschnofen, hoch zum Jocher Hof und weiter bis zum Nigerpass, auf den eine Trailpassage mit bestem Ausblick auf Latemar und Rosengarten folgt. Ein Juwel wartet dann tatsächlich auf den Mountainbiker, der noch die Abfahrt zum Karersee nimmt: Der smaragdgrüne Alpensee mit Bergkulisse könnte auch in eines Königs Garten liegen. Der Grund für seine Schönheit ist banal: Ein Hexenmeister wollte einen Regenbogen vom Rosengarten zum Latemar schlagen, um die Gunst der im Karersee lebenden Wasserjungfrau zu gewinnen. Der Plan misslang, und der um die Liebe betrogene Hexenmeister warf zornig Regenbogenstücke und Juwelen in den See, die heute noch darin schimmern. Was denn sonst.
  5. Fahren Sie ins Vinschgau! Nirgendwo ist die Bike-Passion so spürbar wie hier, besonders im Gebiet um die Gemeinde Latsch. Hier hat der Tourismus mit den Grundbesitzern und restlichen Anrainern eine funktionierende Symbiose geschaffen, um ein Eldorado aus reinen Mountainbikestrecken mit flowigen Abwärtstrails zu schaffen. Vor allem am Sonnenberg sind diese fast ganzjährig befahrbar. Namen wie der Holy-Hansen-Trail sind Musik im geschulten Biker-Ohr. Die kollektive Begeisterung zeigt sich am besten beim Latscher Festival „Trail Days“ im Mai, wo Gleichgesinnte den Beginn der Bike-Saison drei Tage lang zwischen Sport und Party feiern.
  6. Radeln Sie auf den Spuren Norbert Riers! Bei der Kastelruther Panoramatour in der Ferienregion Seiser Alm bezwingt man gerade mal 813 Höhenmeter. Die Route ist die beste Ausnahme zur alten Regel, dass es ohne Fleiß keinen Preis gibt und man sich für alles Schöne ordentlich abstrampeln muss. Wer es doch lieber etwas anspruchsvoller mag, entdeckt die Seiser Alm mit Start in Compatsch, oder auf einer der vielen anderen Routen, die die größte Hochalm Europas zu bieten hat.
  7. Fahren Sie von Bozen Zentrum aus mit der Rittner Seilbahn auf den Ritten, und denken dann nicht weiter nach. Egal wohin, kein Weg ist falsch. Steigen Sie aus der Seilbahn, fahren Sie links, fahren Sie rechts, suchen Sie den Wolfsgrubensee und finden ihn nicht, landen Sie stattdessen auf schmalen Wegen und am Ende auf sattgrünen weiten Wiesen, bei deren Anblick das Herz drei Sprünge macht. Fahren Sie nach Klobenstein, zum Rittner Horn oder nach Signat, und springen Sie am Ende, wenn Sie ihn gefunden haben, doch in den See bei Wolfsgruben. Bei Sonnenuntergangslicht geht es dann in der lichtdurchfluteten Seilbahn wieder nach unten (die Gondel fährt bis halb 11 Uhr abends), links grüßt der Schlern und der Rosengarten in Abendrosa, und das alles ist wirklich so übertrieben schön, wie es sich anhört.
  8. Fahren Sie, wenn es sich vermeiden lässt, nicht auf geteerten Autostraßen. Das ist das Gegenteil einer Win-Win-Situation: Die Autofahrer ärgern sich grün und blau, weil sie überholen wollen und es nicht können, da die Südtiroler Straßen bei Gegenverkehr meist zu schmal zum Überholen sind, und Sie verpassen die Fahrradwege, von denen es genügend gibt und die auf weit schönerem Weg zum Ziel führen.
  9. Glauben Sie nicht alles, was man Ihnen sagt. Die einheimischen Biker kennen sich besser aus, und nicht jeder ist freigiebig mit seinem Wissen: Weil man, was man lieb gewonnen hat, meistens lieber für sich behält. Zum Beispiel soll die Strecke vom Rittner Unterhornhaus Richtung Atzwang (zum Radweg auf der ehemaligen Eisacktaler Bahntrasse) sehr, sehr schlecht zum Fahren und unbedingt zu meiden sein.
  10. Geben Sie sich nicht mit dieser Liste zufrieden. Es gibt noch eine Unzahl von anderen Strecken, die den genannten um nichts nachstehen: Von Toblach nach Cortina über Bahntrassen des 1. Weltkriegs, im Meranerraum das Vigiljoch und Hafling, im Hochpustertal zum Idyll des Pragser Wildsees, zur Plätzwiese und den drei Zinnen, der Stonemantrail in den Sextner Dolomiten. Zum Downhillen nach Göflan, ins hintere Tauferer-Ahrntal bis zu den Hohen Tauern, die am Ende des Tals wie ein Vorhang thronen, oder ins Überetsch mit Montigglersee und Kalterersee, ins Brennergebiet oder auf die Plose – und das ist alles erst der Anfang. Daher der letzte Tipp am Ende: Lesen Sie nicht weiter und fahren Sie los. Es gibt noch viel zu tun!
Vera ist sich noch nicht sicher, ob sie Stadt oder Land den Vorzug gibt, lieber den Sommer oder den Winter hat und die Seen für schöner als die Berge hält. Weil man sich hierzulande glücklicherweise nicht entscheiden muss, ist das zwar ein Luxusproblem, aber sonst nicht weiter schlimm.

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