Tourismus in Südtirol: Wie alles anfing!

Vom Urlaubsdomizil der „Sissi“ zum Lieblingsziel von Millionen Gästen

Südtirol ohne Tourismus? So gut wie nicht vorstellbar! Über 30 Millionen Mal pro Jahr übernachten Gäste, vor allem aus dem deutschsprachigen Raum und Italien, in einem der vielen Hotels, Ferienwohnungen oder Bauernhöfe. Viele Familien in Südtirol leben direkt oder indirekt vom touristischen Austausch. Aber nicht nur sie, auch lokale Geschäfte, Cafés oder Handwerker. Man kann, ohne zu übertreiben behaupten, dass die Gastfreundschaft zur Identität von uns Südtirolern gehört.

Als Kind der 1980er-Jahre, aufgewachsen unweit des Kalterer Sees, kann ich mich an eine Zeit ganz ohne Urlauber nicht erinnern. Ganz so weit kann sie nicht zurückliegen – oder etwa doch? Begeben wir uns auf eine Spurensuche hin zu den Anfängen des Tourismus in Südtirol. Und übrigens: Solltet ihr Interesse haben dem Phänomen noch weiter auf den Grund zu gehen, kann ich das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, kurz Touriseum in Meran besonders ans Herz legen.

Touriseum - Anfänge des Südtiroler TourismusSchlossräume des Touriseums - Anfänge des Südtiroler Tourismus

 

Der „Südbalkon“ der Kaiserin

Bei meinem Besuch dort, erfuhr ich beispielsweise auch, dass Südtirol in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als „Südbalkon“ der Donaumonarchie bezeichnet wurde. Dieser Ruf hing im Wesentlichen mit den regelmäßigen Aufenthalten der Kaiserin „Sissi“ in Meran zusammen. Sie machte Südtirol vor allem unter ihresgleichen, sprich im Adel, bekannt. Mit dem heutigen Tourismus hat dies jedoch wenig zu tun. Dessen Aufstieg begann erst deutlich nach Ende des 2. Weltkriegs, genauer gesagt in den 1960er-Jahren. Maßgeblich dafür war das so genannte deutsche Wirtschaftswunder.

Postkarte aus Meran - Anfänge des Südtiroler Tourismus

Postkarte aus Meran, 1950 - 1970

Deutsches Wirtschaftswunder trifft Südtiroler Unternehmergeist

Zwischen 1960 und 1970 stieg die Wirtschaftsleistung in der Bundesrepublik um 53 Prozent. Mit dem Boom entdeckten viele Deutsche die Reiselust für sich, vor allem Reisen in den Süden standen weit oben auf der Sehnsuchtsliste. Südtirol konnte dabei, wie einst zu Zeiten der Kaiserin „Sissi“, von der Faszination des Alpinen und Mediterranen punkten. Aber nicht nur: Findige Südtiroler erkannten früh, welches Potenzial im Tourismus stecken würde und erweiterten ihren Hof oder ihr Haus zum Hotel. Kurzum: Eine hohe Nachfrage (vor allem aus Deutschland) traf auf ein interessantes Angebot.
Unterstützt wurden die touristischen Unternehmer in der damaligen Zeit von einer Lokalpolitik, die Qualität belohnte. Da gab es etwa das Bädergesetz von 1972, das den nachträglichen Einbau von sanitären Anlagen ermöglichte. Das Bad im Gästezimmer von Beherbergungsbetrieben wurde so zum Standard. Aus dieser Zeit stammt auch der bekannte Werbeslogan für den deutschen Markt: „Südtirol – fließend Deutsch und Warmwasser“. Heute schmunzeln wir darüber, aber damals versuchte man damit, 2 starke Argumente für Südtirol plakativ hervorzuheben: die Sprache und den Komfort.

Slogan Südtirol – fließend Deutsch und Warmwasser - Anfänge des Südtiroler Tourismus

Südtiroler Slogan, 1978

Casino von Meran 1955 - Anfänge des Südtiroler Tourismus

Meraner Casino, 1955

Unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis

In derselben Zeit halfen Südtirol auch Faktoren wie die Abwertung der Lira. Dadurch konnten die Neo-Hoteliers aufgenommene Schulden schneller zurückzahlen und deutsche Urlauber zu einem – verglichen mit anderen Alpenregionen - unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis nach Südtirol kommen. Auch besuchten die Gäste Südtirol nicht mehr nur an den Sommermonaten, zudem entdeckten die Italiener ab den 1980er-Jahren die Vorzüge der Destination. Seit den Anfängen des Tourismus in den 1960er-Jahren, bis heute, haben sich die Übernachtungszahlen mehr als vervierfacht.

Isetta & Vespa - Anfänge des Südtiroler Tourismus

Eine beeindruckende Entwicklung, die mir bis zum Verfassen des Beitrags, so auch nicht bewusst war. Und das obwohl ich hier aufgewachsen bin. Wenn ihr mich nun fragt, wie´s wohl weitergehen wird, muss ich euch enttäuschen: Darauf kennt selbst das ansonsten so lehrreiche Touriseum keine Antwort.

Hotel Bristol in den 1970er Jahre - Anfänge des Südtiroler Tourismus

Hotel Bristol in Meran, 1970er Jahre

Obwohl in Südtirol geboren und aufgewachsen, bin ich täglich aufs Neue von unserer wunderschönen Natur begeistert, die ich am liebsten Hautnah beim Wandern und Mountainbiken erlebe.

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