Auf zwei Rädern über die Alpen

Auf zwei Rädern über die Alpen

Was bei der berühmten Transalp-Tour zu beachten ist

Sieben Tage, 700 Kilometer und 20.000 Höhenmeter. Das ist die Bilanz der letzten Transalp von Alexander Fiess. Er hat den Traum eines jeden Mountainbikers wahrgemacht: Einmal im Leben die Alpen im Fahrradsattel zu überqueren.

Die klassische Transalp-Tour startet in Garmisch Partenkirchen, Sandhofen oder Mittenwald, führt über den Brenner-Grenzkamm durch Südtirol und endet am Gardasee. Insgesamt schlängeln sich ganze 900 verschiedene Routen von Norden nach Süden oder von Westen nach Osten. Durch Südtirol gilt es das Weltkulturerbe die Dolomiten zu bestaunen und die Vegetation zu genießen, die sich wandelt, je weiter man nach Süden gelangt.

Um von den Alpenanfängen im Allgäu bis nach Italien zu kommen, gibt es verschiedene Wege, die man entweder mit einem Guide bestreiten oder individuell planen kann. „Von 4.000 bis 20.000 Höhenmetern ist alles möglich“, sagt Fiess und lacht.

Der Stuttgarter hat im Alter von zwölf Jahren mit dem Mountainbiken begonnen, mit 14 bestritt er seine ersten Mountainbike-Wettkämpfe. Es folgten Bundesligarennen, deutsche Meisterschaften und Rennen in Österreich und der Schweiz. Mittlerweile hat der 30-jährige Manager und Investment Controller bei fahrrad.de dreimal an der „Transalp Challenge“ teilgenommen – dem härtesten Mountainbike-Etappenrenne über die Alpen –  und dreimal mit seinem Kumpel die Transalp befahren. Sie planten die Tour, wie Fiess sagt, ganz altmodisch mit Karten, rechneten Höhenmeter aus, setzten Punkte, wo sie übernachten wollten und buchten Unterkünfte. Dann packten sie ihre 30 Liter Rucksäcke und fuhren los.

Das unbeschreibliche Panorama und die atemberaubenden Abfahrten entschädigen die anstrengende Bergauf-Fahrt.
Das unbeschreibliche Panorama und die atemberaubenden Abfahrten entschädigen die anstrengende Bergauf-Fahrt.

Welche Dinge dürfen bei einer Transalp-Tour nicht fehlen?
Was nicht fehlen sollte, sind zwei bis drei Ersatzschläuche, eine Pumpe, Kettennieter, Bremsbeläge und ein Schaltzug. Und natürlich muss Kleidung zum Wechseln dabei sein. Denn auch wenn man bei 30 Grad und schönem Wetter startet, kann das Wetter jederzeit umschwenken. Auf 2.000 Metern kann es schon mal frisch werden, deswegen sind Regenjacke, Thermo-Unterhemden, Windjacke und Regenhose ein Muss.

Ich nehme auch Trikots zum wechseln mit und für abends ein Shirt, eine kurze Hose und Flip-Flops. Der Rest ist Essen: Energieriegel, Energiegels und ganz wichtig Kohlehydratpulver für meine Trinkflasche und Regenerationspulver, damit man sich von den Strapazen erholen kann. Dann ist so ein Rucksack auch schon voll. (lacht)

Warum sollte man als eingefleischter Mountainbiker mindestens einmal im Leben die Alpen überqueren?
(lacht) Das ist eine gute Frage. Ich finde es gehört für jeden ambitionierten Mountainbiker dazu, einmal mit dem Fahrrad über die Alpen zu fahren. Ich hatte schon immer Lust durch die Alpen zu fahren und das Panorama zu genießen. Immer wieder habe ich von der Tour gelesen und gedacht: „Wenn das andere schaffen, schaffe ich das auch.“

Welcher Moment ist Dir von allen Touren besonders in Erinnerung geblieben?
Zwei extrem schöne und besondere Momente waren die, als ich um die Drei Zinnen und um das Matterhorn herumgefahren bin.

Es gibt auf so einer Tour immer wieder Momente, in denen man sich fragt: „Warum tu ich mir das an, warum quäle ich mich den Berg hoch?“ Wenn man aber oben ist, die Aussicht genießen kann und dann noch eine schöne Abfahrt kommt, ein schöner Trail, auf dem man sich austoben kann, dann ist das Entschädigung pur. Die Aussicht, gepaart mit dem Spaß bei der Abfahrt und der Sonnenschein – das sind Highlights.

Und was sind die No-Gos auf der Tour?
Jeans und normale Turnschuhe haben nichts zu suchen, das geht gar nicht. Ich würde auch niemanden ohne Helm mitnehmen und ohne ausreichend zu trinken, ganz klar. Man sollte mindestens zwei Liter mitnehmen und auch genug zum Essen. Das ist das wichtigste auf der Tour und das gebe ich auch Anfängern mit, die ich auf Touren mitnehme.

Wie bereitet man sich bestmöglich vor?
Man sollte auf jeden Fall schon mal ein Wochenende in den Alpen verbracht haben und zwei lange Etappen hintereinander gefahren sein, dass sich der Körper auf die Strapazen einstellen kann und man sieht, worauf man sich einlässt. Wenn man merkt, man hat schon Probleme zwei Tage hintereinander durchzuhalten, dann sollte man die Tour verschieben.

Man muss sich intensiv mit seinem Fahrrad auseinandergesetzt haben, denn auf einer Tour ist auch das Fahrrad extremen Belastungen ausgesetzt und wenn man nicht weiß, wie man eine Kette repariert oder einen Reifen flickt, dann hat man ein großes Problem.

Wichtig ist auch, dass man das Planen der Tour seinem Leistungsstand anpasst und sich nicht selbst überschätzt.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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