Club der Visionäre

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Messners Werk und Hadids Beitrag - das Messner Mountain Museum "Corones"

Auf dem Gipfel des Kronplatzes thront nun das sechste Messner Mountain Museum. Die Symbiose aus Architektur und Alpinismus bringt Kultur auf 2.275 Meter Meereshöhe.

Mit der knapp zehnminütigen Gondelfahrt von der Talstation hoch zum Kronplatz erreicht man nun einen Achttausender: Reinholds Messners fünfzehnten. Als solchen bezeichnete die Bergsteigerlegende anlässlich der Eröffnung des MMM Corones sein sechsteiliges Museumsprojekt, in Rahmen dessen bereits die Museen Firmian, Ortles, Ripa, Juval und Dolomites verwirklicht wurden und das mit der Architektur von Zaha Hadid nun seinen Abschluss gefunden hat.

Möglich machte das Aufeinandertreffen der beiden großen Namen die Skirama Kronplatz AG. Diese war anfangs mit dem Ziel gestartet, den Brunecker Hausberg auch für den Sommertourismus attraktiv zu machen und hatte dabei noch an eine Aussichtplattform auf dem Gipfel gedacht. Zaha Hadid war an diesem Punkt bereits involviert. Reinhold Messner trat erst später in Eigeninitiative an die Initiatoren des Projekts heran und überzeugte sie von seiner Idee eines Museums. Was am Ende so entstanden ist, wurde von allen Beteiligten bei der an Superlativen nicht armen Eröffnungsfeier einhellig und einstimmig als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet.

Die feierliche Enthuellung
Die feierliche Enthüllung

Der Begriff ist nicht übertrieben, denn kein Element steht für sich allein. Architektur, Natur und das Thema des Museums spielen sich gegenseitig in die Hände: Der Bau fließt in den Berg, wird von diesem aufgenommen und öffnet mit seinen Fenstern wiederum den Blick für die umliegenden Gebirge – „holt sie näher heran“, wie es Messner ausdrückte. Das Thema Alpinismus, dem das Museum gewidmet ist, wird in der Inneneinrichtung umgesetzt durch Bilder zum Berg, Ausstellungsstücke wie historische Ausrüstungsgegenstände oder mit kurzen Zitaten an der Wand, die neben der handfesten und tatsächlichen körperlichen Aktivität den Geist verstehen lassen, der Menschen wie Messner antreibt.

So trägt das physische Konstrukt die Idee und Vision, und dass hier überhaupt nie jemand für sich alleine stehen wollte, wird in der Aussage Patrik Schumachers klar, dem Architekten aus Hadids Team: „Thank you Reinhold for the dialogue“, sagte er bei der Eröffnungsfeier.

Auch Messner selbst bezeichnete den Dialog als mehr als gelungen: Gerade hier, am MMM Corones, habe er das Privileg und die Möglichkeit gehabt, „die Uridee in Perfektion umgesetzt zu sehen“.

Reinhold Messner bei der Eröffnungsfeier.

Das auf dem Kronplatz gelegene ist das höchstgelegene der nunmehr sechs Messner Mountain Museen. Messner erzählt hier seine Sicht und sein Verständnis vom Alpinismus und bringt sich selbst als Verknüpfungspunkt zu dieser Erzählung ein: „Ich erzähle woher ich komme, aus welcher Welt, denn auch ich bin nicht aus dem Nichts gekommen. Ich bin an den Südtiroler Bergsteigern gewachsen, an einem Battista Vinatzer, Erich Abram und anderen, die ich weltweit kennengelernt habe. Wir stehen alle in unserer Zeit, wir haben Vorläufer und wir haben die, die nach uns kommen. Ich habe nichts dagegen, dass das Bergsteigen mehr und mehr Sport wird, dass der Tourismus inzwischen den Gipfel des Everest erreicht hat. Es wäre aber jammerschade, wenn der traditionelle Alpinismus – der auch eine kulturelle Erscheinung und nicht nur eine sportliche ist – unterginge.“
Die Frage ist: Wo beginnt der traditionelle Alpinismus, wenn der Tourismus inzwischen den Mount Everest erreicht hat, den höchsten Gipfel der Welt? Das Museum ist die Antwort darauf und der Versuch, diesen traditionellen Alpinismus nicht untergehen zu lassen, der zu unserer Südtirol Bergsteigerkultur gehört.“

In all seinen Museen habe er versucht, „die Welt draußen in das Innere zu ziehen, und von innen das Thema nach außen zu projizieren“. In den bisherigen Museen, die in Schlössern oder Burgen untergebracht sind, sei dies relativ schwierig gewesen, weil dort bereits bestehende Strukturen genutzt wurden. Am Kronplatz allerdings wurde die Struktur erst geschaffen, und auf seinen Vorschlag hin wurde „eine bewegte Struktur in das Berginnere gestellt“.

Die Waende, an denen manche Messner schon am Scheitern glaubten.
Die Wände, an denen manche Messner schon am Scheitern glaubten.

Trotzdem sei es alles andere als leicht gewesen, diesen Bau im Inneren zu gestalten und zu bespielen. Die Süddeutsche Zeitung hatte noch vor ein paar Monaten geschrieben: An den Wänden von Zaha Hadid wird auch Reinhold Messner abstürzen. Ist er das?
Dieses Urteil überlässt er dem Besucher selbst: „Es liegt jetzt an Ihnen hineinzugehen und zu sagen, ob es nun gelungen oder der Absturz ein endgültiger ist.“ Die Antwort kennt er natürlich schon. Der fünfzehnte Achttausender ist schon bestiegen.

 

FACTBOX

Anfahrt: Erreichbar ist das Messner Mountain Museum Corones mit den Aufstiegsanlagen von Olang und St. Vigil sowie von der Talstation in Reischach. Die Talstationen sind auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: www.kronplatz.com/de/skiregion/skizug-skibus/

Die Seilbahnanlagen bringen einen dann auf direktem Wege auf das auf Hochplateau auf 2.275 Metern und dem dort gelegenen Museum.

Eintrittspreis Museum: 7 Euro Erwachsene, 4 Euro für Kinder (6 – 14 Jahre), 6 Euro für Studenten unter 28 Jahren und für Senioren ab 65 Jahren.

Öffnungszeiten:
Täglich von 10 – 16 Uhr bis zum 2. Sonntag im Oktober, in der Wintersaison vom 1. Sonntag im Dezember bis Mitte April entsprechend der Öffnungszeiten der Aufstiegsanlagen.

Telefon: +39 0471 631264

Vera ist sich noch nicht sicher, ob sie Stadt oder Land den Vorzug gibt, lieber den Sommer oder den Winter hat und die Seen für schöner als die Berge hält. Weil man sich hierzulande glücklicherweise nicht entscheiden muss, ist das zwar ein Luxusproblem, aber sonst nicht weiter schlimm.

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