Das knusprige Gold der Bauern

Das knusprige Gold der Bauern

Krapfen: Mehr als eine Süßspeise

Sie gehören hierzulande zur Tradition, wie der blaue Schurz zum Südtiroler Bauern und die Schelle zu seiner Kuh: Krapfen in allen Variationen.

Es vergeht kein Herbst, kein Allerheiligen, kein Kirchtag und kein Törggelen ohne die goldgelb-knusprige Süßspeise. (Tipp: Eine Einkehr in einen Buschenschank im Herbst macht sich meistens bezahlt.)
Bald ist es wieder soweit, dann binden sich die Bäuerinnen des Landes wieder ihre Schürzen um, kneten den Teig und rollen ihn mit einem Nudelholz in dünne Blätter. Und wenn sich dazu dann Kleckse schwarz duftender Mohnfüllung gesellen, werden sie mit einer Teigdecke zugebettet.

Dann rattern die Krapfenräder um die Wette. Damit werden die einzelnen Krapfen ausgeschnitten –  durch die Räder bekommen die Krapfen ihren typischen gezackten Rand.

Wer keinen Mohn zur Hand hat, der hat noch etliche andere Möglichkeiten, die Krapfen zu befüllen. Neben Mohnkrapfen gibt es Preiselbeer- oder besser gesagt Grantnkrapfen, Kastanien-, Marillen- oder Topfenkrapfen. Die Wahl bleibt jedem Koch und jeder Köchin selbst überlassen. Schmecken tun sie alle, wenn sie im Mund „zerblättern“.

Es wundert also nicht, dass die süßen Teigtaschen in ganz Südtirol bei Alt und Jung beliebt sind. Und im Ultental, da ziehen jedes Jahr Kinder von Haus zu Haus, um Krapfen zu „lottern“. Am Abend des 31. Oktober, wo überall sonst auf der Welt „Süßes oder Saures“ ertönt, hört man im Ultental etwas anderes. Die Kinder folgen dem uralten Brauch „Krapfenlottern“, der bis in die Jahrhundertwende zurückgeht.
Sie mummen sich in alte Gewänder und murmeln kurze Reime vor der Haustür, bis sie ein paar Krapfen bekommen, die am selben Abend in heißem Öl gebacken werden und dadurch ihr typisches Aussehen mit kleinen Bläschen am Teig bekommen.

Entstanden ist die Tradition bei mittellosen Leuten, den Kausen, die ohne dem Krapfenlottern nie in den Genuss der Süßspeise gekommen wären. Und so gehen Ultner Buben und Mädchen dieses Jahr wieder als „Krapfenlöitr“ von Haus zu Haus und wispern: „Muaterle, Voterle geb mir a Krapfl, i bin so an orms Zapfl …“

 

Rezept für rund 60 Krapfen

Teig

750 g Weizenmehl Roggenmehl
300 g Roggenmehl
250 g zerlassene Butter
ca 250 ml lauwarmes Wasser
1 Ei
1 Eigelb
1 Prise Salz

Füllung

450 g Mohn, fein gemahlen
200 ml Wasser
350 g Zucker
80 g Butter
1 Prise Muskatnuss
1 EL Zimt

Zubereitung

Alle Zutaten zu einem Teig kneten (er darf nicht zu fest sein!) und rund zwei Stunden unter einem Tuch ruhen lassen. In der Zwischenzeit für die Fülle den feinen Mohn, Zimt und Muskatnuss mit der Butter vermischen. Zucker und Wasser aufkochen und alle Zutaten vermengen. Dann den Teig dünn austreiben und auf einer Teigschicht jeweils kleine Mohnkleckse geben. Anschließend eine weitere Teigschicht darüber klappen, rund um die Fülle andrücken und mit einem Krapfenrad rechteckige Krapfen machen. Im heißen Öl goldgelb backen.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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