„Alles auf Schiene“

Südtirol umweltfreundlich und bequem mit dem Zug erkunden

Wie wäre es, wenn ihr bei eurer nächsten Reise, statt mit dem PKW im Stau des Feierabend- oder Anreiseverkehrs zu stecken, komfortabel und geräuschlos durch Südtirols schöne Landschaft gleiten und euch dabei einfach entspannt zurücklehnen könntet? Bahnfahren erlebt derzeit in Südtirol ein Comeback und die grenzüberschreitenden Fahrten unterstreichen nicht nur den Wert der Mobilitätsfreiheit in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel tut auch der Umwelt gut. Wer mehr über die Anfänge der Eisenbahnen in Südtirol und den beachtlichen Netzausbau heute erfahren will, liest am besten weiter! Also „alles einsteigen“ und dann geht’s auch schon los.

 

Bahnfahren in Südtirol – Wie alles begann:

Die Erschließung Südtirols durch die Schiene hat die Verflechtung der Kulturen und Nationen vorangetrieben und zum wirtschaftlichen Aufschwung der Region beigetragen. In den Geschichtsbüchern finden sich erstmals 1859 Einträge zum Bahnverkehr in Südtirol: Damals wurde die Bahnstrecke von Trient nach Bozen eröffnet. Wenige Jahre darauf, nämlich 1871, ist mit der Premierenfahrt der Brennerbahn, die zwischen Verona und Innsbruck verkehrt, ein Meilenstein zur Integration Europas gelungen. Erstmals gab es eine Verbindung zwischen dem deutschen und italienischen Kulturraum und auch die Wirtschaft in den umliegenden Regionen wurde vom regen Austausch beflügelt. In nur sechs Jahren Bauzeit konnte die später als „ingenieur-technische Pionierleistung“ gelobte Bahnstrecke zwischen Innsbruck und Verona fertiggestellt werden. Die Brennerbahn galt bei ihrer Inbetriebnahme 1868 als die am höchsten gelegene Eisenbahn Europas. Der Anschluss des Pustertals 1871 sowie der Kurstadt Meran 1881 an das Bahnnetz waren weitere Schritte auf dem Weg zur länderübergreifenden Verkehrsvernetzung. Die Begeisterung für das Zugfahren flaute allerdings in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ab, wodurch der Ausbau des Eisenbahnnetzes ins Stocken geriet.

Tourismusgenossenschaft Castelfeder / Glener Brücke

 

Trendwende: das Revival des Zugfahrens

Nach Jahrzehnten des Stillstands erlebt der Verkehr auf Schiene sein Comeback. Schrittweise wurden die ehemaligen Dampfloks elektrifiziert und die Kapazitäten für den Transport von Passagieren und Gütern ausgebaut. Die heutige Generation der sogenannten „Flirt-Züge“ glänzt als emissionsfreies und barrierefreies Fortbewegungsmittel, das seinen Passagieren jeglichen Komfort bietet. Das wachsende Umweltbewusstsein, die moderate Preisgestaltung, die nahtlose Anbindung an die benachbarten Regionen Tirol und Trentino sowie der unschlagbare Komfort auf allen Strecken machen Zugfahren in Südtirol sowohl für Einheimische als auch für Touristen zu einer attraktiven Alternative abseits der Autobahn. Auf die steigende Beliebtheit des Bahnverkehrs ist bereits mit einer Erhöhung der Beförderungskapazitäten reagiert worden. Obwohl die Frequenz der Fahrten in den Hauptverkehrszeiten erhöht wurde, erreicht beispielsweise die beliebte Vinschgerbahn besonders in den Sommermonaten ihre Kapazitätsgrenzen. Abhilfe schafft der Ausbau des Bahnnetzes in Südtirol sowie die gemeinschaftliche Koordinierung der Mobilitätspolitik in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Mit dem Baubeginn des Brennerbasistunnels ist 2015 der Spatenstich für die längste unterirdische Zugverbindung der Welt gesetzt worden –weitere prestigeträchtige Projekte sind in Planung.

 

Unterwegs mit Fahrrad und Hund

Da sich nicht nur Bahnfahren, sondern auch das Radfahren einer immer größeren Beliebtheit erfreut, wird seit einigen Jahren der Fahrradtransport in Zügen verstärkt nachgefragt. Der Nachfrage nach einem gemeinsamen Zug- und Radticket sind die Bahnbetreiber mit der sogenannten „bikemobil Card“ nachgekommen. Das Ticket kombiniert die Nutzung von Bus, Bahn und Leihfahrrad und ist in ganz Südtirol gültig. Auch für den Fall, dass es zu Kapazitätsengpässen beispielsweise in der beliebten Vinschgerbahn kommen sollte, ist vorgesorgt. Alternativ zur Mitnahme im Zug kann das Fahrrad in beispielsweise in Meran bei einem Bike-Shuttle abgegeben und in Naturns, Latsch, Schlanders, Spondinig oder Mals beim Bahnhofs-Radverleih wieder abgeholt werden. Das Service des Bike-Shuttles steht außerdem im Pustertal, dem Eisacktal, dem Eggental und Kaltern zur Verfügung.

Auch die Mitnahme von Tieren ist Zugreisenden gestattet, sofern diese die Verantwortung für ihre tierischen Gefährten übernehmen und nötige Vorsichtsmaßnahmen treffen. Es gilt eine prinzipielle Leinenpflicht und das Verbot, dass Tiere Sitzplätze besetzen. Zusätzlich wird ein Maulkorb empfohlen und für mittelgroße bis große Hunderassen muss ein Ticket gelöst werden. Blindenhunde und Kleintiere in Transportboxen werden kostenlos befördert.

 

Geheimtipps für eine entspannte Reise:

Wer gerade dabei ist, den nächsten Urlaub in Südtirol zu planen, der sollte jetzt die Ohren spitzen: Ein guter Tipp für Sparfüchse, die den öffentlichen Verkehr gegenüber dem Individualverkehr bevorzugen, ist die sogenannte „Mobilcard“. Diese ermöglicht eine unbegrenzte Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel des Südtiroler Verkehrsverbundes und beinhaltet beispielsweise Fahrten mit den Regionalzügen, Nahverkehrsbussen, diversen Seilbahnen sowie dem PostAuto Schweiz, das zwischen Mals und Müstair verkehrt. Einige Unterkünfte stellen ihren Gästen die Mobilcard im Zuge einer Übernachtung als Zusatzleistung kostenfrei zur Verfügung. Wer nicht in einem der Mitgliedsbetriebe übernachtet, kann die Mobilcard in einer der drei Varianten, jeweils für Erwachsene, Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren erwerben. Erhältlich ist das Kombiticket an allen Verkaufsstellen des Südtiroler Verkehrsverbundes, in den Tourismusvereinen, in ausgewählten Beherbergungsbetrieben und Museen sowie bei fast allen Fahrkartenautomaten in den Bahnstationen.

 
Mein Fazit zum Bahnfahren in der Region Südtirol könnte eindeutiger nicht ausfallen: als klimafreundliche, zeitsparende und kostengünstige Alternative übertrifft es meiner Meinung nach den stressigen Individualverkehr in allen Punkten. Egal ob für uns Südtiroler:innen zum Pendeln oder für Touristen, die Südtirol genießen wollen. Zu den weiteren Vorteilen zählt der Komfort, wenn man sich während der Fahrt entspannt zurücklehnen kann und keine Gedanken an potenzielle Stauquellen verschwenden muss. Wen alle diese Vorzüge noch immer nicht überzeugt haben, dem rate ich, sich einfach einmal selbst in einen der Züge zu begeben und sich auf der Reise vom beispiellosen Charme der Südtiroler Landschaft verzaubern zu lassen.

Foto: © IDM Südtirol-Alto Adige / Manuel Kottersteger, Frieder Blickle, STA Manuela Tessaro, Matt Cherubino, Klaus Huber
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Die waschechte Passeirerin hat ihre Wurzeln tief in Südtirol und ihre Flügel in der Welt. Die Welt zu erkunden, bedeutet für sie auch ihre Heimat in all ihren Facetten kennenzulernen. So trifft man Judith sowohl auf dem Berg, im Tal und am See als auch in der Stadt. Denn nichts soll unentdeckt bleiben. Die Vielfalt der Kultur, der Natur, der Sprachen und Dialekte verleihen jedem noch so kleinen Örtchen seinen ganz eigenen Charme. Und den genießt sie am liebsten bei einem guten Glas Wein und leckerem Essen.

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