Andreas Hofer und wo er zu finden ist

“Mander, s’isch Zeit“

Man kommt nach Südtirol und er ist fast nicht zu übersehen – Andreas Hofer. Straßen, Plätze, Hotels, Restaurants, Stuben, Museen, Denkmäler, Bilder und Portraits. Sogar Pralinen, Torten und Käsesorten werden nach ihm benannt. Aber warum? Wer ist Andreas Hofer? Wann lebte er und aus welchem Grund scheint er damals und heute noch eine besondere Bedeutung in Südtirol zu haben? In einem Gespräch mit Judith Schwarz, Leiterin des MuseumPasseier, habe ich versucht, diesen Fragen auf den Grund zu gehen!  

But first things first! Andreas Hofer in 4 Sätzen:

Andreas Hofer, geboren am 22. November 1767 am Sandhof in St. Leonhard in Passeier, gilt als Tiroler Freiheitskämpfer und Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809. Gemeinsam mit den Tiroler Schützen und Bauern, hat der Vieh- und Weinhändler gegen die bayrische Herrschaft in seiner Heimat gekämpft. Nachdem der Oberkommandant der Tiroler Schützen trotz einiger erfolgreicher Schlachten und viel Zustimmung seiner Landsleute den Kampf schlussendlich verloren hatte, versteckte er sich auf der Pfandleralm im Passeiertal, wo er am 28. Januar 1810 gefangen genommen wurde. Am 20. Februar 1810 wurde der Sandwirt in Mantua auf direktem Befehl Napoleons hingerichtet und so nahm die Entstehungsgeschichte des Volkshelden ihren Lauf!
 

Vom Sandwirt, zum Helden und zum Werbegesicht

„Warum gerade Andreas Hofer zum Volkshelden wurde und nicht einer der anderen Beteiligten am Freiheitskampf, kann man nicht auf einen Nenner bringen. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die dazu beigetragen haben. Man könnte fast sagen, er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, so Judith Schwarz, Leiterin des MuseumPasseier. In der Dauerausstellung „Helden & Hofer“ werden Fakten und Quellen genauestens analysiert. Es wird hinterfragt, wer Hofer eigentlich war, welche Dynamiken zu Lebzeiten und welche nachträglich entstanden sind.
Im Grunde war Hofer ja auch nur ein junger Mann, der gemeinsam mit seiner Frau den elterlichen, verschuldeten Hof übernahm und versuchte seine Familie als Wirt und Bauer sowie Vieh- und Weinhändler über Wasser zu halten. Er war bodenständig, versuchte sein Bestes und versuchte trotz Unsicherheiten und Fehler seinem Land treu zu dienen. Laut Schwarz hat sich das heutige Bild des sogenannten „Freiheitshelden“ von der historischen, faktenbasierten Figur gelöst und vieles wurde ihm im Nachhinein zugeschrieben. Der Urtiroler, ein starkes Mannsbild mit seinem Vollbart und der Passeirer Tracht, der politisch aktive Bauer quasi als Feldherr, das Werbegesicht für unzählige Produkte. So muss heute noch, über 200 Jahre nach seinem Tod, sein Name und seine Person in allen möglichen Situationen herhalten.

Seine Geschichte ist in und weit über Tirol hinaus bekannt. Die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“ erzählt von seinen letzten Tagen. Vor allem für die Schützen ist er eine wichtige Figur – sei es in Südtirol und Nordtirol – aber auch im Trentino. Aber auch in den Schulen Südtirols und Tirols ist das Leben von Andreas Hofer auf dem Lehrplan. Fast alle Südtiroler Schüler:innen haben mindestens einmal das MuseumPasseier besucht. Er ist auf Festival-Logos, auf Weinetiketten und auf so manch einem Zeitungscover immer wieder zu finden. „Ein Mann der Vielfältigkeit, wie es scheint“, schmunzelt Schwarz.

 

Die Heimaten des Ander

Andreas Hofer ist in den verschiedensten Orten eingezogen. Ist man in Südtirol unterwegs, gibt es für jeden und jede einen Andreas Hofer Moment, entweder absichtlich oder unabsichtlich. Andreas Hofer and where to find him – here we go:

Möchte man sich vor dem Urlaub bereits in Reiseführern über Südtirol informieren, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man auch auf den Ander trifft. Neben Ötzi und Reinhold Messer ist auch der Volksheld, sein Geburtstort und seine Geschichte immer ein Thema.

Auch im Bücherregal ist der Sandwirt oft vertreten – Bücher über die Geschichte Tirols, über ihn als Person und über sein Leben gibt es noch und nöcher. Das Gute, Bücher können Sie immer und überall mithin nehmen und sie lesen: vor Ihrem Südtirol Aufenthalt, währenddessen oder nachher, um Ihr Wissen noch weiter zu vertiefen. Hier die Top 4 der Andreas Hofer Kennerin Judith Schwarz:

  1. Wer es wirklich wissen will: Die umfassende Biografie von Namensvetter Andreas Oberhofer „Der Andere Hofer. Der Mensch hinter dem Mythos“:

  2. Wer es wirklich verstehen will: Der Katalog des MuseumPasseier „Helden & Hofer.
    Als Andreas Hofer ins Museum kam“
    geschrieben von Josef Rohrer.

  3. Wer es kurz und bündig mag: „Andreas Hofer. Eine Geschichte“. Ein Büchlein zu 5 Euro, erhältlich im MuseumPasseier

  4. Wer es humorvoll mag: Der Comic von Jochen Gasser und Norbert Parschalk „Andreas Hofer. Eine illustrierte Geschichte“  

Ist man in Südtirol angekommen, kann man es sich immer wieder in einer „Hofer Stube“ gemütlich machen und wunderbares Essen bei einem guten Glas Wein genießen. In Hotels und Restaurants in Südtirol wird besonders oft an den Sandwirt erinnert und ein Portrait des bärtigen Paradetirolers schmückt so manche Wand.

Hat man es sich in der Hofer Stube bei leckeren Knödeln und einem hervorragenden Lagrein gut gehen lassen, ist immer noch ein bisschen Platz für etwas Süßes. Gut, dass viele Konditoreien in Südtirol die „Andreas Hofer Torte“ herstellen. Wer es nicht ganz so deftig will und lieber auf die Cremetorte verzichtet, gönnt sich doch vielleicht die „Andreas Hofer Praline“. Und wer den Magen doch eher schließen möchte, greift zu „Hofer’s Alptraum“, einem Weichkäse aus Ziegenmilch oder Kuhmilch der Feinkäserei Capriz.

Nach dem leckeren Essen tut ein Verdauungsspaziergang immer gut. Es ist gut möglich, dass Sie dabei auf den ein oder anderen Souvenirladen treffen. Und wer erwartet Sie dort? Natürlich der Ander. Auf Kühlschrankmagneten, Postkarten, Postern und Mützen strahlt er Ihnen entgegen und wartet darauf, bei Ihnen oder bei Ihren Freund:innen zu Hause einzuziehen.

“Mander, s’isch Zeit“ – diese Aussage schmückt bestimmt verschiedene T-Shirts, Sticker oder gar das Titelblatt von Zeitschriften. Nicht nur im Souvenirladen. Der Hofer-Ausruf, kann in allen Lebenslagen zitiert werden. Aber wussten Sie, dass das wohl bekannteste Zitat von Andreas Hofer, wahrscheinlich gar nicht von ihm ist?

Dieses „Zitat“ von Andreas Hofer findet auch seinen Weg in die Sozialen Medien – ein Andreas Hofer Meme mit den verschiedensten Aussagen taucht immer wieder auf. Auch hier scheint, der Ander ist für alles und jeden einsetzbar.

Raus aus dem Internet, rein in die Wirklichkeit. Dort begegnet uns der Vieh- und Weinhändler auch in Überlebensgröße! Denkmäler von Andreas Hofer findet man in Groß und Klein. Besonders bekannt in Südtirol ist das Denkmal in Meran. Jedes Jahr um den 20. Februar, seinem Todestag, gibt es einen Festumzug dorthin. Auch die Denkmäler in Innsbruck, in der Hofburg und am Bergisel, sowie das Denkmal in Mantua sind bekannt. Insgesamt wurden über 150 Denkmäler, von Gedenktafeln bis hin zu mannshohen Statuen, errichtet.

Wo es Denkmäler gibt, gibt es auch Straßen und Plätze. So steht das Andreas Hofer Denkmal in Meran auf der Andreas-Hofer-Straße – wie könnte es auch anders sein? Insgesamt gibt es über 90 Städte, Dörfer und Orte mit einer Andreas-Hofer-Straße oder einem Andreas-Hofer-Platz. Die nördlichste Stadt wird wohl Kiel sein, die südlichste Mantova, die östlichste Prottes und die westlichste Duisburg. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in der Nähe Ihrer Heimat eine Straße oder ein Platz nach dem Rebellenführer benannt wurde, ist gar nicht so klein. Fun Fact: von den 116 Südtiroler Gemeinden haben allerdings nur 17 eine Straße oder einen Platz, der nach dem Freiheitskämpfer benannt ist.

Und wer Andreas Hofer so richtig auf die Spuren kommen will, sollte sich mit den Hofer Points vertraut machen. Die Stationen des intermusealen Euregio-Projektes markieren Orte und Gebäude, die in seiner Biografie eine besondere Rolle gespielt haben. Eine geschichtliche Reise durch Tirol, Südtirol und das Trentino.

All das wird in der wahren Heimat von Andreas Hofer zusammengeführt: Im MuseumPasseier am Sandhof, dem Geburts- und Wohnort des Volkshelden. In der Ausstellung Helden & Hofer, welche zum 200-jährigen Jubiläum 2009 neu konzipiert wurde, gewinnt man spannende Einblicke in sein Leben und darüber hinaus. Besonders zu empfehlen ist es, sich durch die Ausstellung führen zu lassen. Spannende Insights garantiert!

   

Das Museum ist vom 1. April bis 31. Oktober geöffnet, von 10-17 Uhr, montags ist Ruhetag. Richten Sie doch bei Gelegenheit liebe Grüße von mir aus, auch ich habe dort einmal Interessierte durch Hofers Stall und Stadel geführt!

Foto: © Angelika Schwarz / Museum Passeier
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Die waschechte Passeirerin hat ihre Wurzeln tief in Südtirol und ihre Flügel in der Welt. Die Welt zu erkunden, bedeutet für sie auch ihre Heimat in all ihren Facetten kennenzulernen. So trifft man Judith sowohl auf dem Berg, im Tal und am See als auch in der Stadt. Denn nichts soll unentdeckt bleiben. Die Vielfalt der Kultur, der Natur, der Sprachen und Dialekte verleihen jedem noch so kleinen Örtchen seinen ganz eigenen Charme. Und den genießt sie am liebsten bei einem guten Glas Wein und leckerem Essen.

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