Das Glück dieser Erde

Die 5 pferdenärrischsten Dörfer Südtirols

Donnernde Hufe, wehende Mähnen und hoch erhobene Häupter mit geblähten Nüstern. Es ist immer wieder ein herrlicher Anblick: Stuten und ihre Fohlen jagen über die Seiser Alm. Unter ihnen das satte Grün der Almwiesen, über ihnen das kühle Grau von Lang- und Plattkofel.

Pferde haben in Südtirol Tradition – schließlich haben die berühmten Haflinger hier ihren Ursprung. Dass Hafling also eine der pferdenärrischsten Gemeinden Südtirols ist, verwundert nicht. Doch nicht nur Hafling, sondern auch Meran, Kastelruth und Völs am Schlern sowie Sarnthein sind Dörfer, in denen Pferdenarren und solche, die die stolzen Tiere lieber von der Ferne bewundern, voll auf ihre Kosten kommen.
 
 

Hafling

Diese Gemeinde ist der Namensgeber der berühmten Haflinger – Palominos mit blondem Haar, stämmigem Wuchs und ausgesprochener Trittsicherheit. Und dies, obwohl der erste Haflinger der Überlieferung nach in Schluderns, einem kleinen Ort im Vinschgau, gezüchtet wurde. Doch die blonden Haflinger mit ihrem freundlichen Wesen und ihrer Muskelkraft waren früher bei den Bauern beliebte Packpferde. Die Bauern auf dem Tschöggelberg, zu dem Mölten, Vöran, Hafling und Jenesien gehören, waren besonders auf ihre Arbeitstiere angewiesen. So bürgerte sich im Laufe der Jahre der Begriff „Haflinger“ ein.

Auch wenn der Haflinger offiziell nicht aus Hafling stammt, ist das Dorf den Tieren doch sehr verbunden. Neben zahlreichen Geschicklichkeitsturnieren, Trab- und Schlittenrennen sowie Skijörings ist die jährliche Fohlenkörung im Herbst ein besonderer Höhepunkt für Pferde und Züchter gleichermaßen. Dabei kommen die Züchter der Gemeinden Mölten, Vöran und Hafling zusammen und stellen ihre Fohlen zur Schau. Dabei entscheidet eine Kommission, entsandt vom Haflingerzuchtverein Südtirol, ob die zwischen vier und sechs Monate alten Fohlen künftig zur Zucht zugelassen werden. Außerdem wird bei der Gelegenheit jährlich das schönste Fohlen des Tschöggelbergs auserkoren. Dieses Jahr findet die Fohlenkörung am 20. September in Vöran statt.
 
 
 

Meran

Die Kurstadt Meran ist für ihr mildes Klima und ihren blühenden Frühling bekannt. Was viele nicht wissen – in Meran gibt es einen Pferderennplatz, auf dem alljährlich um die 28 Rennen ausgetragen werden. Dabei messen sich sowohl die berühmten Südtiroler Haflinger als auch internationale Vollblüter in Trab-, Galopp-, und Hindernisrennen.

Die ersten Rennen in Meran – ein Haflinger Galopprennen, ein Herrenrennen und ein gemischtes Rennen – wurden 1886 ausgetragen, damals noch im Garten des ehemaligen Grand Hotels. Für den Haflinger-Galopp erschienen die Bauern in traditioneller Tracht und jagten auf ihren blonden Pferden um die Wette. Auch heute noch kommen am Ostermontag eines jeden Jahres die Bauern aus den umliegenden Dörfern mit ihren Haflingern und in Tracht nach Meran, um dort gegeneinander zu reiten.

Nach dem großen Erfolg der ersten Rennen wurde 1900 die Sportzone Meran-Untermais eröffnet, 1935 folgte der Rennplatz, wo bis heute jedes Jahr an die zwanzig nationalen und internationalen Rennen ausgetragen werden. Das berühmteste ist wohl der „Große Preis von Meran“, ein Hindernisrennen mit internationaler Besetzung. „Was der Große Preis von Monaco für die Formel 1 ist, ist der Große Preis von Meran für Liebhaber des Pferdesports,“ so die Webseite des Rennplatzes. Dieser besticht neben spannenden Rennen auch durch einzigartiges Flair und Stimmung, die dort an Renntagen herrschen: Zuschauer und Gäste putzen sich fein heraus und feuern ihre Favoriten anschließend an.
 
 

Kastelruth und Völs am Schlern

Jedes Jahr im Frühsommer verwandelt sich das Hochplateau – die Gegend rund um die beiden Gemeinden Kastelruth und Völs am Schlern – in eine Kulisse für den mittelalterlichen Oswald von Wolkenstein-Ritt. Seit die Idee zu den Spielen 1983 geboren wurde, hat sich das Reitspektakel zu dem größten Südtirols gemausert.

Kein Wunder, schließlich verlangen alle vier Spiele Ross und Reiter einiges ab und sind spektakulär mit anzusehen – egal ob beim Ringstechen am Kofel in Kastelruth, dem Labyrinth in Seis, dem Hindernisgalopp am Völser Weiher oder dem Torritt bei Schloss Prösels, keiner kommt umhin mitzufiebern. Fanfaren, Fahnenschwinger und Oswald von Wolkenstein, Minnesänger und Herr zu Hauenstein höchstpersönlich begleiten die Reiter von Turnierspiel zu Turnierspiel und verleihen den Reitspielen ihren berühmten mittelalterlichen Charakter.
 
 
 

Sarntal

Auch im Sarntal hat das Pferd Tradition: Früher benutzten es die Bauern, um in den steilen Wäldern Holz zu arbeiten oder das Heu von den Wiesen nach Hause zu transportieren. Durch die geografische Nähe zum Tschöggelberg und ihrem sanften Gemüt hielten auch die Sarner Bauern vorwiegend Haflinger.

Heute haben Maschinen den Pferden die Arbeit längst abgenommen, doch die „Sarner“ hängen noch immer an ihren Pferden und den damit verbundenen Traditionen. Im Winter, wenn die Arbeit auf den Feldern und in den Wäldern getan ist, treffen sich die Sarner zum Schlittenrennen und Skijöring. Für die Schlittenrennen legen sie den Pferden leichtes Geschirr um, spannen die blonden Pferde vor historische Schlitten. Mit den Schlitten führten die Bauern damals im Winter Heu und Holz von den Almen ins Tal, heute jagen sie damit um die Wette.

Das Skijöring hat seinen Ursprung in Skandinavien, wo die Menschen im Winter versuchten, sich möglichst schnell fortzubewegen. Was aus Notwendigkeit entstand, ist heute Spaß pur: Die Pferde laufen um die Wette, ein Skifahrer hält sich dabei an einem Seil, das am Sattel des Reiters befestigt ist, fest. So meistern die Gespanne einen Parcours so schnell wie nur irgend möglich. Diese Festspiele finden jedes Jahr im Jänner statt und sind eine willkommene Abwechslung zum Skifahren und Langlaufen.
 

Foto: © Alex Filz, Bärbel Bauer, Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverein / Armin Indio, Rafin Developer, Brigitte Preindl, Marcel Kessler
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Hauptsache draußen! Jeden Tag nach getaner Arbeit zieht es Ines hinaus in die Bergwelt direkt vor ihrer Haustür. Dabei entdeckt sie im Sommer zu Fuß und zu Pferd, im Winter mit den Touren- oder Langlaufskiern immer wieder neue Ecken Südtirols. Nach der Anstrengung liebt sie es, sich in die Sonne zu setzen, die Gedanken schweifen und die Seele baumeln zu lassen. Am leichtesten gelingt ihr das vor einer guten Portion „Schlutzer“, „Tirtlan“ oder Kaiserschmarrn.

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