So riecht der Sommer

Warum die Heuarbeit in Südtirol weit mehr ist, als nur das Einbringen von Futter

Es gibt wohl kaum einen Geruch der mehr nach Sommer riecht, als der Duft nach frisch geschnittenem Gras. Nach Wiesenkräutern, die in der Sonne trocknen und ihr typisches würzig-duftendes Aroma durch die ganze Sommerluft tragen. Begleitet vom Zirpen der Grillen bis tief in die Nacht hinein und dem grünen Leuchten klitzekleiner Glühwürmchen … Der Sommer beginnt in Südtirol nicht am 21. Juni, sondern mit dem Tag der ersten Heumahd. Dem Grund, warum überhaupt erst Sommerferien eingeführt wurden.
 

 
Schon im Frühsommer beginnen die Viehbauern des Landes mit dem Mähen und Einbringen der Heuernte. Und die hat nicht viel mit Alpenromantik zu tun, sondern mehr mit harter Arbeit. Auch wenn heute schweres Gerät manchen Bauern die Arbeit erleichtert, geschieht dennoch viel in mühevoller Handarbeit. Gerade die Bergbauern gehen immer noch mit Sense, Heugabel und Rechen ausgerüstet hinaus ins steile Gelände. Wochenende? Gibt es nicht. Freie Tage? Nur wenn’s regnet. Im Sommer zählt jeder Tag. Schließlich ist wichtig, dass das Gras zum richtigen Zeitpunkt gemäht und das Heu trocken eingebracht wird. Es dient im Herbst und Winter als Futter für die Kühe und Kälber, die den Sommer häufig auf den Almen verbringen.
 

 
Aber auch wenn diese Zeit wohl die arbeitsintensivste im ganzen Jahr eines Bauern ist, ist es auch die Zeit, die den Zusammenhalt innerhalb einer jeden Bauernfamilien verdeutlicht, denn bei der Heuernte hilft jeder mit. Die Oma, der Opa, die Tochter, die eigentlich im anderen Land studiert, der Sohn, der unterm Jahr einer anderen Arbeit nachgeht. Jeder nimmt sich frei, wenn möglich, und jeder packt mit an wo er nur kann.
 

 
Nach getaner Arbeit wird bei der Marende zusammengesessen und wenn das letzte Heu eingebracht ist, gibt’s schon mal frisch gebackene Krapfen, zumindest ist das im Ultental so Tradition. Und die Bauernhofkinder freuen sich aufs „Heuhüpfen“ – wenn sie in die mit reichlich frischem Heu gefüllte Scheune springen dürfen – und darauf, einmal auf dem Heuboden zu schlafen, auf einem dünnen Laken, damit nichts kratzt und tief versunken im frischen Heu.
 
So muss wohl einst das beliebte Heubad entstanden sein. In den Genuss eines solchen kommt man heute ja in vielen Wellnesshotels. Und wer die Möglichkeit hat, sollte sie unbedingt ausprobieren, denn diese Bäder sind nicht nur eine wunderbare Hautpflege, sondern können sogar müde Muskeln entspannen und bei Gelenkserkrankungen Linderung schaffen. Na, wenn das mal kein Grund ist, im nächsten Südtirolurlaub ein Heubad zu buchen. Übrigens: Heu gibt’s hierzulande auch als Trinkgenuss, in Form eines Heuschnapses.
 

Foto: © Petra Schwienbacher, Tobias Egger-Karlegger, IDM Südtirol-Alto Adige/Christian Brecheis
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Petra liest und schreibt im Ultental. Sie liebt die Natur und gutes Essen ebenso wie ihre Arbeit und das Leben auf ihrem Bauernhof. Und obwohl sie gerne andere Länder bereist, kehrt sie immer wieder gerne zurück, denn sie kann sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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