Südtirol, das Land des Specks und... der Autoren

Das von Stereotypen angehauchte Bild, das oft mit Südtirol assoziiert wird, zeigt die typischen Wintersportarten oder Sommerwanderungen, Knödel, Speck, Apfelstrudel, Geranien auf Balkonen und zu guter Letzt Dirndl und Lederhosen. Wer sich etwas weiter hinauslehnt, spricht dann noch die Holzfiguren aus dem Grödnertal oder die Eismumie Ötzi an. Doch nur wenige wissen, dass einer der am besten gehüteten Schätze der Region der eifrige und produktive Literaturbetrieb ist. Ihr glaubt das nicht? Lest weiter, ihr werdet staunen!

Bekannte Namen und Gesichter

Seit jeher, aber vor allem seit den letzten Jahrzehnten, ist Südtirol zu einem Land etablierter Schriftsteller geworden, die sich zum Schreiben von Aufsätzen und Romanen, Biografien und Krimis inspirieren lassen. Eine erhöhte Sichtbarkeit gilt Südtiroler Athleten, die mit Autobiografien ihre sportlichen Erfolge feiern: von Reinhold Messner über Tamara Lunger bis hin zu Armin Zöggeler und Alex Schwazer. Ein weiterer immer wiederkehrende Name, den man in den Regalen der Büchereien findet, ist der, der Bozner Journalistin und Schriftstellerin Lilli Gruber. Ein bekanntes Gesicht im Fernsehen, das sich mit ihren Erfahrungen als Korrespondentin in Berlin und im Nahen Osten, mit der islamischen und amerikanischen Kultur, aber auch mit den Frauenfiguren, die Italien groß gemacht haben, mit Faschismus und Terrorismus, mit den 1950er Jahren in Südtirol und mit der Unsichtbarkeit der Frauen in der Gesellschaft auseinandergesetzt hat. In diesem Jahr kehrt die Fernsehmoderatorin mit dem Aufsatz „Non farti fottere“ zurück, der bei Rizzoli erscheint und das Thema des massiven Konsums kostenloser Pornografie und der Kommerzialisierung des Körpers behandelt.

Junge Schriftstellerinnen

Weit über den Grenzen der Region hat sich die 30-jährige Maddalena Fingerle mit dem Roman „Muttersprache“ in der Literaturszene durchgesetzt und gewann den Italo-Calvino-Preis, den Comisso-Preis und den Flaiano-Preis (under 35), den Girifalco-Preis, den Megamark-Preis und den POP-Preis. Die aufstrebende Stimme in der italienischen Belletristik kehrt nun mit "Pudore“ (Mondadori Verlag) in die Buchhandlungen zurück: Die Protagonistin Gaia, begibt sich auf die Suche ihrer Identität, nachdem sie von ihrer Freundin Veronica verlassen wurde. Die Schriftstellerin Romina Casagrande aus Meran braucht keine Einführung, da ihr Roman „Feuer auf den Bergen“ orig. „I bambini del bosco“ bereits in der Schweiz, Österreich und Deutschland erschienen ist. Sie hat ihre Leserschaft mit dem Roman „Als wir uns die Welt versprachen“ (orig. „I bambini di Svevia“) für sich gewonnen und erst kürzlich ist ihr neues Buch „L'eredità di Villa Freiberg“ im Garzanti Verlag erschienen. Es handelt vom NS-Programm, das im Zusammenhang mit der „Aktion T4“ ausgeführt wurde, um jede „Veränderung der Rasse“ zu beseitigen.

Die Herren in der Autorenrunde

Matthias Graziani ist im Eggental ansässig und hat erst kürzlich die narrative Figur des Gletschmann im Buch „La voce nel crepaccio“ wieder aufleben lassen. In den Wäldern von Feldberg hat er seine Figuren, die durch Mursia berühmt geworden sind, wiederbelebt, aber in seiner Schublade liegt bereits ein Manuskript, das seine Leser mit fünf Superhelden als Protagonisten überraschen soll. Der Bozner Krimiautor Luca D'Andrea hat mit der Fernsehserie "Il girotondo delle iene" den kleinen Bildschirm erobert. Es handelt sich dabei um seinen zuletzt erschienen Bestseller, nach seinem Debüt mit der Fantasy-Horror-Trilogie für Kinder "Wunderkind" und der Publizierung von „Der Tod so kalt“ orig. "La sostanza del male", „Das Böse, es bleibt“ orig. "Lissy", „Der Wanderer“ orig."Il respiro del sangue" und "L'animale più pericoloso". Ebenfalls aus Bozen stammt Stefano Zangrando, Autor der Romane "Il libro di Egon", "Amateure" und „Kleiner Bruder“ orig. "Fratello minore", des Aufsatzes "Aspetti della teoria del romanzo", der Kurzgeschichtensammlung "Quando si vive" und des Prosawerks "Mezze misure". Außerhalb Südtirols noch wenig bekannt ist Alessandro Banda, der unter seinen zehn Romanen "Dolcezze del rancore" bei Einaudi und "Due mondi e io vengo dall'altro" bei Laterza publiziert hat.

Lokale Legenden

Wer von einheimischen Schriftstellern den Charme unberührter Täler erwartet, wird die Seiten, auf denen Brunamaria Dal Lago Veneri, Anthropologin und Volkskundlerin, Mythen, Fabeln und Legenden aus dem Trentino und Südtirol gesammelt hat, sehr schätzen. Ihre Veröffentlichungen für Mondadori, Newton Compton, Giunti und Reverdito sind zahlreich, während sie als Übersetzerin die Werke von Hermann Hesse, Thomas Mann und den gesamten Märchenschatz der Brüder Grimm herausgegeben hat.

Kleine Verlage

Eine solche Schriftsteller:innendichte trägt zur Entstehung kleiner, aber produktiver, unabhängiger Verlage bei, die sich in Bozen darum bemühen, die aufstrebenden Talente vieler lokaler Autoren und Autorinnen zu fördern, die vielleicht in die Fußstapfen derer treten werden, die vor ihnen bereits literarischen Ruhm erlangt haben. Dazu gehören die Edition Raetia, die seit dreißig Jahren die besten Bücher über Südtirol oder von Südtiroler Schriftsteller:innen in italienischer und deutscher Sprache herausgibt, und der neu gegründete Verlag Gander Books, der in nur einem Jahr bereits elf Titel gedruckt und vertrieben hat, darunter das erste Buch, das vollständig von der künstlichen Intelligenz geschrieben und illustriert wurde.

Copyright: Edition Raetia