Wo sich Himmel und Erde küssen

Die fünf höchstgelegenen Schutzhütten Südtirols

Nach fast viereinhalb Stunden Marsch, gut 1800 erklommenen Höhenmetern und zwölf zurückgelegten Kilometern kann ich nicht mehr. Seit sieben Uhr morgens wandere ich über Stock, und Stein, auf breiten Kehren und schmalen Steigen. Meinen Weg begleitet haben Wälder, Almen, alpine Matten, rostbraun gesprenkelt durch das Schiefergestein, leuchtend blaue Seen, Gletscherzungen und Schneefelder.

Ich kann nicht mehr, die Rückseite meiner Beine schmerzt vom Stufensteigen und langsam frage ich mich, wo mein Ziel bleibt – weit kann es doch nicht mehr sein? Je müder ich werde, desto mehr sehne ich mich danach, zumindest einen Blick auf das Becherhaus, der höchsten Schutzhütte Südtirols, erhaschen zu können. Ich erklimme eine weitere Stufe, stöhne und wische mir den Schweiß aus der Stirn, als es sich plötzlich, scheinbar aus dem Nichts, über meinen Kopf erhebt. Nur noch wenige Meter, ein paar wackelige Schritte, dann bin ich da – und kann’s kaum fassen.

Denn als ich mich auf der Terrasse hinsetze und mein Gesicht in die Sonne halte, um mich herum nichts als Stille, nur unterbrochen von einigen Wortfetzen, die aus der Hütte zu mir dringen, und der endlosen Weite, in der sich Gipfel an Gipfel reihen, fühle ich mich angekommen. Ich atme ein, und schmecke die Gletscherluft an meinem Gaumen. Sie schmeckt nach Freiheit. Und nach Abenteuer. Das ist es wohl, was Wanderer, Bergsteiger und Alpinisten trotz zu den höchstgelegenen Schutzhäusern Südtirols zieht.

Auf welchen weiteren Schutzhütten Südtirols man glaubt, den Himmel zu berühren, erfahren Sie hier!

Bevor Sie sich auf den Weg zu einer der genannten Schutzhütten machen, informieren Sie sich bitte über Ausrüstung, Voraussetzungen und Konditionen des Auf- bzw. Abstiegs.
 

Becherhaus 3195m

Das Becherhaus ist mit seinen 3195 Metern über dem Meeresspiegel die höchstgelegene Schutzhütte Südtirols. Sie thront, einem Adlerhorst gleich, auf der Spitze des Becher, hoch über dem Ridnauntal, in der Umgebung von Sterzing im Norden des Landes. Die Hütte blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück – seit ihrer Erbauung 1893 wurde die Hütte stetig erweitert und umgebaut; erst kürzlich, im Herbst/Winter 2020/21 wurde sie saniert und 2021 nochmal neu eröffnet. Seitdem bewirtet Familie Lantschner dort ihre Gäste mit Leib und Seele.

Das Becherhaus ist von Südtirol aus in etwa sechseinhalb Stunden von Ridnaun oder in gut sechs Stunden vom Passeiertal aus zu erreichen. Von dort ausgehend können Wanderer und erprobte Bergsteiger die umliegenden 3000er besteigen: Wilder Freiger, Sonklarspitze, Botzer, Wilder Pfaff und Zuckerhütl sind nur einige davon.
   

Müllerhütte 3145m

Die zweithöchste Schutzhütte Südtirols liegt nur wenig unterhalb des Becherhaus. Anders als sein berühmter Nachbar schmiegt sich die Müllerhütte an einen Berghang und liegt direkt am Gletschereis. Diese Lage macht sie zur Anlaufstelle für Alpinisten und Bergsteiger, die von dort aus die Gipfel der Stubaier Alpen erklimmen. Wie das Becherhaus wurde die Müllerhütte bereits Ende des 19. Jahrhunderts erbaut.

Heidi Wettstein führt die Hütte seit 2006 mit viel Herz. Auf Instagram schrieb sie dazu 2021: „Als Kind habe ich oft mit meiner Familie auf Berghütten übernachtet. Die Berggipfel haben mich damals aber nicht so sehr interessiert, ich wollte viel lieber auf der Hütte bleiben und Spaghettis essen. Jetzt bin ich seit 15 Jahren Wirtin auf der Müllerhütte und mache eben genau das, was ich mir als Kind gewünscht habe.“

Die Müllerhütte ist in etwa sieben Stunden von Ridnaun oder in fünf Stunden vom Passeiertal aus zu erreichen, und bietet eine ideale Ausgangslage für Gipfeltouren auf den Wilden Freiger, Zuckerhütl, Sonnklarspitze, Wilder Pfaff und Botzer.

 
 
 

Payerhütte 3029m

Anders als Becherhaus und Müllerhütte liegt die Payerhütte im Süden-Westen Südtirols, hoch über Sulden, auf dem sogenannten „Tabarettakamm“, wo, ähnlich dem Becherhaus, Stürme und Gewitter ungeschützt über sie hinwegfegen. Den Bergsteigern, die auf der Payerhütte übernachten, sollte dies wenig ausmachen. Denn von hier aus steigen die Meisten früh am nächsten Morgen weiter hoch auf den Ortler, der mit seinen 3905 Metern das Dach Südtirols bildet. Der andere Teil der Bergsteiger hingegen huldigt den Ortler, indem sie ihn in zwei oder mehr Tagen auf dem Ortler Höhenweg umrunden.

Von [Sulden]((https://www.bookingsuedtirol.com/de/sulden?target=blank) aus ist die Hütte in etwa dreieinhalb Stunden zu erreichen, von Trafoi aus braucht man für den Weg gut viereinhalb Stunden.
   

Schwarzensteinhütte 3026m

Die neue Schwarzensteinhütte ist nicht „nur“ der umliegenden Berge wegen einen Besuch wert, sondern besticht schon durch ihre einzigartige Architektur, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Die sechseckige Hütte besteht aus Kupfer, der, durch die rauen Wetterbedingungen oxidiert, der Hütte ihre markante bräunliche Farbe verleiht.

2019 übernahm Margit Ainhauser aus Mölten die Hütte, und schwingt dort seitdem den Kochlöffel, nachdem sie 17 Jahre lang die Maurerkelle geschwungen hat. Hoch über dem Ahrntal, an der Grenze zu Österreich, mit einem Ausblick über die Zillertaler Alpen und die hohen Tauern, der Rieserfernergruppe bis hin zu den Dolomitengipfeln, schmecken ihre Knödel noch besser.

Der Aufstieg zur Schwarzensteinhütte erfolgt von Sankt Johann im Ahrntal über einen einfachen Klettersteig oder durch das Trippbachtal auf einem Wanderweg in etwa vier bis fünf Stunden. Von der Hütte aus führen leichte und schwierigere Gletschertouren auf den Schwarzenstein, Westlichen Floitenspitz, Großen Löffler und Großen Mörchner.
   

Similaunhütte 3019m

Die Similaunhütte liegt am Niederjoch in den Ötztaler Alpen, hoch über dem Schnalstal. Die Hütte wurde 1898 an diesem historischen Grenzübergang von Nord- nach Südtirol von Stefan Gurschler erbaut, und befindet sich seit nunmehr vier Generationen im Besitz der Familie Platzgummer-Pirpamer.

Der Hüttenwirt Markus ist auch begeisterter Bergführer und begleitet seine Gäste nicht selten auf die umliegenden Berge. Eine Besonderheit dieser Hütte? Sie liegt nur 230 Meter unter dem Hauslabjoch, wo 1991 Ötzi, die Gletschermumie, gefunden wurde.

Auf die Similaunhütte gelangt man vom Schnalstal aus in gut vier Stunden, von dort geht es weiter hoch zum Similaun, dem Niederjochferner und der Fineilspitze.
 

Foto: © Becherhaus, Heidi Wettstein, Bernhard Wöll, Margit Ainhauser, Thomas Grüner
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Hauptsache draußen! Jeden Tag nach getaner Arbeit zieht es Ines hinaus in die Bergwelt direkt vor ihrer Haustür. Dabei entdeckt sie im Sommer zu Fuß und zu Pferd, im Winter mit den Touren- oder Langlaufskiern immer wieder neue Ecken Südtirols. Nach der Anstrengung liebt sie es, sich in die Sonne zu setzen, die Gedanken schweifen und die Seele baumeln zu lassen. Am leichtesten gelingt ihr das vor einer guten Portion „Schlutzer“, „Tirtlan“ oder Kaiserschmarrn.

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