Der schönste Job der Welt

Der schönste Job der Welt

Der Konsument will heute wissen, wie ein Produkt angebaut wurde

Johannes Tribus ist der älteste von drei Tisner Brüdern. Er ist Gastwirt, Apfelbauer, Weinbauer, Saftproduzent und Vater, mein Vater. Ich habe immer schon vermutet, dass ich mal einen Text über meinen Vater schreiben werde. Als mir der Auftrag gegeben wurde, ein Interview mit einem Bauern für diesen wunderbaren Blog hier zu machen, fiel mir die Wahl leicht. Mein Vater ist leidenschaftlicher Bauer. Er hatte eigentlich zeit seines Lebens mit Lebensmitteln zu tun und war in seiner Jugendzeit ein erfolgreicher Koch. Er brachte es damals sogar so weit, dass er für den italienischen Staatspräsidenten kochen durfte. Da mein Großvater, sein Vater also, Obstbauer war und einen Gastbetrieb aufgebaut hatte, musste mein Vater früher oder später zurückkommen und das Familiengeschäft weiterführen. Hier sitzen wir nun in unserem Obstgarten. Im Gespräch spekuliert er über die Zukunft des Obstbaus und des Tourismus und warum Qualität Trumpf in Südtirol ist.

Ich fange mal ganz förmlich an: Wie geht es dir?

Gut, danke und dir?

Auch gut danke. Du bist Bauer in vierter Generation, was hat sich über die Jahre verändert?

Der ganze Ablauf ist viel maschineller geworden, früher gab es nicht so viele Maschinen wie heute. Der Obstbau ist aber auch viel bewusster geworden.

Wie meinst du das?

Nehmen wir den biologischen Anbau her. Der ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Der Konsument will heutzutage nicht nur wissen, woher das Produkt stammt, das er kaufen will, sondern auch wie es angebaut wurde. Diese Einstellung überträgt sich dann natürlich auch auf die Produzenten, die den Markt bedienen.

Glaubst du, dass es die Bauern heutzutage schwieriger haben als früher?

Das kommt darauf an. Der bürokratische Aufwand ist definitiv größer geworden, vor allem im integrierten Anbau. Die ganzen Auflagen, Regeln und Bestimmungen stellen für viele Produzenten ein Problem dar. Bauern müssen heutzutage genauestens Buch führen, wie viel und was sie spritzen, welchen Dünger sie benützen, wie die Bodenbeschaffenheit ausschaut, die Liste könnte ewig so weiter gehen. Dem Bauer wird es heute nicht leicht gemacht. Aber es gibt auch Gutes vonseiten der Verbände, Landesregierung und Handelskammer. Die ganzen Förderungen zum Beispiel.

Wo glaubst du liegt die Zukunft des Obstbaus hier in Südtirol?

Ich glaube, dass die Zukunft des Südtiroler Obstbaus bei den Club-Sorten wie Pink Lady, Kanzi und Jazz liegt, vor allem im integrierten Obstanbau. Die ganze Geschichte kann so besser kontrolliert und reguliert werden. Es wird so überschaubarer. Ein Umstand, der besonders in unserem kleinen Land zu begrüßen ist. Seit wir vermehrt auf Bio setzen, hat sich die Fauna und Flora erheblich vergrößert. Deshalb glaube ich auch, dass das die Zukunft ist.

Weil wir gerade darüber reden, glaubst du, dass der integrierte und biologische Anbau auf Dauer nebeneinander existieren können?

Ja, da bin ich mir sicher. Es ist halt wichtig, dass beide Parteien miteinander kommunizieren, um so eine dauerhafte Symbiose zu ermöglichen.

Glaubst du, dass die Zukunft des Obstbaus auch mit der des Tourismus in Südtirol verknüpft ist?

Ja, das ist sie definitiv. Ich denke schon, dass die gesunde Lebensweise hier ein großer Aspekt für viele ist, überhaupt hier Urlaub zu machen. Zumindest ist das bei unseren Gästen so. Du weist eh, wie sehr sie unseren Apfelsaft immer loben. (lacht)

Was würdest du jungen Obstbauern raten, die neu in den Beruf einsteigen?

Setzt auf nachhaltigen Bio-Anbau! Ansonsten könnt ihr nicht viel falsch machen, schließlich ist das der schönste Beruf der Welt.

Thomas liebt es interessante Menschen zu porträtieren, Südtirols unbekannte Geschichten zu erzählen und Omas Apfelstrudel zu verspachteln, nachdem er wieder einmal eine längere Zeit für sein Studium in Wien war.

Urlaubsplaner