Design und Handwerk in Südtirol

Design und Handwerk in Südtirol

Eine Handwerkstour von Tradition bis Moderne

Große Vielfalt auf kleiner Fläche. Das ist Südtirol für mich. Seitdem ich – ehemalige Großstädterin mit Leib und Seele – hier in der Provinz lebe, habe ich viel dazu gelernt. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ein so kleines Land wie Südtirol, dem ich mittlerweile hoffnungslos verfallen bin, dermaßen viele kreative, weltoffene Köpfe, ja wahre Meister ihres Metiers hervorbringt. Südtirol kann was. Das durfte ich auf meiner kleinen Design- und Handwerkstour jüngst wieder am eigenen Leibe erfahren. Harry Thaler, Anna Quinz und Fritz Unterkalmsteiner haben mich mit offenen Armen empfangen und mit mir über Handwerkskunst und Design in Südtirol gesprochen.


Harry Thaler
empfängt mich in seinem neuen Studio, einem ehemaligen Getreidesilo in der Industriezone Lana. Nach vielen Jahren in London ist der Designer in seine Heimat zurückgekehrt und operiert nun von hier aus in die ganze Welt. Unter seinen Werken findet sich bereits die ein oder andere vielfach ausgezeichnete Designikone. Sein Portfolio reicht von Interior Design-Objekten über Shop-Design bis hin zu seinem jüngsten Coup, einem E-Bike, welches er für die Firma LEAOS designt hat.


Harry, wie bist du Designer geworden und was zeichnet dein Design aus?
  

Nach meiner Ausbildung zum Goldschmied in Meran, hat es mich über Pforzheim zurück nach Bozen und schließlich nach London verschlagen, wo ich schließlich meinen Traum vom Produktdesign-Studium am Royal College of Art verwirklichen konnte. Hier konnte ich mit meiner Abschlussarbeit, dem ‚Pressed Chair’ bereits meinen ersten Durchbruch als Designer feiern. Alle meine Objekte zeichnen sich durch Funktionalität und den daraus resultierenden einfachen Formen aus. Ich liebe es, mit natürlichen Materialien zu arbeiten. Mein Design ist Handwerk. Ich verarbeite die Materialien nach allen Regeln des Handwerks. Ich würde meine Werke durchaus als schlicht und ästhetisch bezeichnen. Dabei ist mein Portfolio sehr breit und offen für alles.


Wie beurteilst du Design in Südtirol?
 

Design ist in Südtirol ein starkes Thema. Es liegt vielen von uns im Blut. Im Grunde genommen sind wir Handwerker und zehren von einer ausgeprägten Tradition, die hier konsequent über Generationen weitergelebt und gegeben wurde. In den letzten Jahren hat sich ein neues Bewusstsein herausgebildet, dem Design wird ein größerer Stellenwert eingeräumt. Dazu hat auch die Fakultät für Design und Künste an der Uni Bozen viel beigetragen.

Interior Design: Harry Thaler’s Pressed Chair

Als ich Anna Quinz in den bezaubernden historischen Gemäuern ihres Büros mitten unter den Lauben Bozens besuche, erfahre ich, wie sie und ihr Mann Fabio Dalvit, auf die Idee kamen, tradierte modische Elemente aus der bäuerlichen Kultur Südtirols modisch neu zu interpretieren. Qollezione, das jüngste Projekt der Tausendsasserin, erobert mich im Sturm.


Anna, was hat es mit Qollezione auf sich?

Mit Qollezione tragen wir der Kultur Südtirols Rechnung. Es ist wie eine Liebeserklärung. Wir bedienen uns alter Muster, traditioneller Stoffe und übersetzen sie in die Neuzeit. Das ist unsere Art, die Zeit anzuhalten und ein Stück Kulturgut unserer Heimat zu bewahren. So wurde unsere aktuelle Kollektion in der typischen holzgetäfelten Südtiroler Stube geboren. Der heimelige Ort mit Eckbank und warmen Bauernofen, Kissen und Häkeldeckchen war hierbei unsere Inspirationsquelle für Stoffauswahl und Schnitte sowie für die Geschichte, die wir erzählen wollen.


Du sagst, ihr seid keine Designer. Kannst du mir trotzdem verraten, wie sich das Südtiroler Handwerk in Deinen Augen bis heute verändert hat? Wann ist daraus Design geworden?

Stimmt, ich würde uns lieber als Art-Director bezeichnen. Wir entwickeln das Konzept hinter einer jeden Kollektion, legen den roten Faden fest und erzählen die Geschichte dazu. Für die Realisation arbeiten wir jedoch mit fantastischen Handwerkern und Designern zusammen. Für mich liegen Handwerk und Design eng beieinander. Das eine geht ohne das andere nicht. Wir leben in einem Land reich an Tradition und Interkulturalität, Natur und natürlichen Rohstoffen. Das ist der beste Nährboden für Kreativität! Und diese leben viele begnadete Talente derzeit aus. Und das Schöne ist, sie finden ihre Schauplätze mittlerweile auf der ganzen Welt!

 

 

Zum Schluss meiner Tour heißt es noch back to the roots. Ich spreche mit Fritz Unterkalmsteiner, Meister und Gründer der Drechslerei Fritz, einem waschechten Südtiroler Handwerker, dessen Herz für Zirmholz schlägt.


Fritz, was zeichnet dein Handwerk aus und wie bist du dazu gekommen? 

Das Handwerk liegt bei uns in der Familie. Mit 13 Jahren hielt ich das erste Mal eine gedrechselte Dose aus Zirmholz (Zirbelholz) in der Hand – das hat mir so gut gefallen, dass meine Berufswahl feststand. Mich fasziniert die Arbeit mit Holz – v.a. mit Zirmholz, das bei uns im Sarntal beheimatet ist und vor allem für seinen guten Duft und dessen beruhigende Wirkung bekannt ist. Ich bin stolz sagen zu können, dass ich noch ein echter Handwerker bin.


Hat sich das Südtiroler Handwerk stark verändert?

Wir Sarntaler sind für unsere Handwerkskunst bekannt, auch weil wir gute Meister hatten, die ihr Wissen und Können über Generationen weitergegeben haben. Natürlich hält in unserem Leben auch die Modernisierung Einzug, aber diese berührt eher die administrativen Abläufe, nicht meine Handwerkskunst. Da bleibe ich meinen Wurzeln treu, arbeite lieber auf hohem Qualitätsniveau und so nachhaltig wie möglich.

 

Es wird also höchste Zeit, meine Liste mit guten Gründen für ein Leben (oder Urlaub?) in Südtirol zu erweitern! Neben Natur, Landesküche, italienischem Flair und hoher Lebensqualität sind da vor allem noch diese Menschen, die dem Ganzen Leben einhauchen. Macher, die Tradition bewahren und trotzdem mit der Zeit gehen. Aushängeschilder für Brillanz, Professionalität und Stil.

Julia ist gebürtige Kölnerin und nun schon seit 13 Jahren Wahl-Meranerin. Sie liebt die heile Welt Südtirols mit seiner fantastischen Lebensqualität und einmalig schönen Naturlandschaft, geht aber auch gerne auf Entdeckungsreisen in ferne Großstädte, wo das Chaos regiert. Über das, was sie hier und dort erlebt und fühlt, berichtet sie mit großer Leidenschaft.

Urlaubsplaner