Die Freiheit des Asphalts

Die Freiheit des Asphalts

Die Ikone des italienischen Lebensgefühls eignet sich außerordentlich gut, um die Straßen Südtirols zu erkunden und die Freiheit eines Roadtrips zu genießen.

Es ist Anfang April und wunderbar warm. Der Frühling kämpft sich seine Vorherrschaft zurück und die Natur erweckt wieder zu neuem Leben. Ich bin mit meiner Freundin Carly in Bozen verabredet. Sie reist mit dem Zug aus Wien an. Vorher muss ich aber nochmal nach Eppan, um eine andere Schönheit abzuholen. Wir haben heute nämlich eine Vespatour durch unser malerisches “Landl” geplant. Besser kann man einen warmen Frühlingstag nicht verbringen.

Legendäre Sportwagen

Ich selbst besitze leider keinen dieser ikonischen Motorroller, die den Begriff der italienischen „Dolce Vita“ seit fast 70 Jahren prägen. Das ist aber nur bedingt ein Problem. In Eppan, hinter dem Möbelhaus Planer, gibt es nämlich einen Anbieter, der sich auf den Verleih und Verkauf alter Motorräder und Automobile spezialisiert hat. Die Garage 61 existiert seit 4 Jahren. Ihr Fuhrpark umfasst ständig etwa 50 Motorrad- und Automobiloldtimer. Oswald Planer, der Chef des Hauses, ist ein leidenschaftlicher Automobilfan und verkauft seine Wagen nach ganz Europa. Die Garage verleiht Sportwagen wie den Alfa Romeo 2600 Spider 1964 und den legendären Lieblingswagen des Schauspielers Steve Mcqueen, den Jaguar E-Type Coupé, aus dem Jahre 1962. Letzterer wird aber nur für Fotoshootings und Fernsehaufnahmen hergegeben – verständlicherweise.

Ich werde durch die heiligen Hallen des Unternehmens geführt und schließlich wird mir das verlangte Gefährt präsentiert. Die Vespa Piaggio PX 125 aus dem Jahre 1978 begeistert auf den ersten Blick. Ich will schon auf die Vespa springen, als mich Planer aufhält: „Das ist eine Zweitaktmaschine, vergiss das nicht. Da muss immer ein wenig Öl im Tank sein, sonst wird es problematisch“, meint er und lächelt verschmitzt. Die PX kostet 90 Euro pro Tag, zwei Motorradhelme bekommen wir gratis dazu. Als Alternative zur Vespa stünden auch noch zwei kostengünstigere Scooter mit 60 Euro pro Tag zum Verleih, aber das wäre schließlich nicht das Selbe. Ich leihe mir noch schnell zwei Sturzhelme aus und düse sogleich die Rampe hoch und steuere mein erstes Ziel an: den Bahnhof von Bozen.

Mediterranes Feeling

Carly wartet bereits, als ich dort ankomme. Nachdem die blonde Schönheit aus Wien auf dem Rücksitz der weißen Schönheit aus Mailand Platz genommen hat, machen wir kehrt und fahren weiter zum Kalterer See. Unser Weg führt uns durch das frühlingshafte Bozen auf die Weinstraße von Eppan weiter nach Kaltern. Mediterranes Feeling kommt auf, als die Sonne den Kalterer See in eine kristallblaue Lagune verwandelt. Wir beschließen beim See haltzumachen, um eine Kleinigkeit zu Essen, bevor wir uns weiter auf den Weg machen. Es ist schließlich schon fast 12 Uhr und ein leerer Magen auf einem Roadtrip kommt nie gut.

Auf dem Lavazé-Pass!!
Auf dem Lavazé-Pass!!

Wir bestellen uns zwei frisch gefangene Forellen aus dem Kalterer See – lecker!

Wenig später befinden wir uns wieder auf der Vespa in Richtung Auer. Unser heutiges Tagesziel ist der Lavazè-Pass. Bevor wir den Pass jedoch in Angriff nehmen, tanke ich in Auer einmal voll. Das muss so sein, eine solche Vespa hat nämlich keinen großen Tank und der Weg bis zur nächsten Tankstelle könnte möglicherweise etwas länger sein. 5,5 Liter fasst der Tank der Vespa, wobei 2,5 Liter dann noch Reserve sind. Nachdem ich den Tankdeckel bereits geschlossen habe, fällt mir ein, was Planer zu mir gesagt hat. Ich hole das Motoröl aus dem Handschuhfach und mische den Treibstoff ab. Carly kauft währenddessen etwas zum Trinken an der Tanke. Nachdem wir alles wieder verstaut haben, nehmen wir die nächste Etappe unserer Reise in Angriff. Die Fahrt zum Naturpark ist ein wenig langatmig und eine Belastungsprobe für die Vespa. Eine Vespa ist nämlich ein Städteroller, mit dem man auch ab und zu über Land fahren kann, aber das war es dann auch schon.

Ziel erreicht!

Etwas später als geplant, aber immer noch innerhalb unseres Zeitplans, befinden wir uns nun im Fassatal. Es steht uns noch eine Serpentine bevor, ehe wir auf dem Pass ankommen. Mir fällt auf, dass wir bei unserer Reise von Auer ins Fassatal ziemlich viel Kraftstoff verbraucht haben. Zur Sicherheit steuere ich die nächste Tankstelle an, ehe wir uns an den Endspurt machen.

Eine halbe Stunde später kommen wir auf dem Pass an. Das Wetter ist leider ein wenig bewölkt, deshalb beschließen wir, nur einen kurzen Zwischenstopp im Café einzulegen. Während meine signifikante Andere noch im Café ist, checke ich die Landkarte bei der Touristenauskunft. Google Maps und Handys haben auf Roadtrips nämlich nichts verloren.

Vespa

Das Eggental ist heute unsere letzte Etappe. Wir rollen ins Tal und genießen den Fahrtwind. Als wir wieder in Bozen sind, beschließen wir noch einen Aperitivo zum Abschluss dieses gelungenen Tages zu trinken.

Um diesen Blogeintrag frei nach den Worten der italienischen Pop-Band Lunapop zu beenden:

La Vespa ti porterà veramente in vacanza!

Thomas liebt es interessante Menschen zu porträtieren, Südtirols unbekannte Geschichten zu erzählen und Omas Apfelstrudel zu verspachteln, nachdem er wieder einmal eine längere Zeit für sein Studium in Wien war.

Urlaubsplaner