Die gschickt’n Sarntaler

Die gschickt’n Sarntaler

Traditionelle Handwerkskunst im Sarntal

Was haben ein Holzbildhauer, ein Federkielsticker, ein Drechsler, ein Handweber und ein Goldschmied gemeinsam? Nicht viel, mag man angesichts der unterschiedlichen Berufe denken. Doch etwas vereint sie alle – ihre große Liebe zum Handwerk und die Begeisterung für ihre Einzelstücke, die in aufwändiger Handarbeit entstehen.

Vor allem das Sarntal, das sich rund 20 Kilometer nördlich von Bozen erstreckt, ist reich an volkstümlichen Traditionen und Bräuchen. Hier, in der flächenmäßig größten Gemeinde Südtirols führen die meisten der 6.000 Einwohner noch ein altehrwürdiges Leben. Sie lassen die schon fast vergessene, jahrhundertealte Handwerkstradition aufleben, verarbeiten Holz zu kunstvollen Gegenständen, weben feinste Schafwolle zu den typischen „Sarner Jangger“, filzen „Sarner Toppar“ – warme Hausschuhe oder kreieren Schmuck.

Besonders berühmt gemacht hat das Sarntal jedoch das Kunsthandwerk der Federkielstickerei. Aber was ist das überhaupt?

Bei der Federkielstickerei spalten die Handwerker Kiele der Oberschwanzfedern von Pfauen in hauchdünne Streifen und sticken damit fein säuberlich mit Hilfe von Ahlen (Metallstiften) vorgezeichnete Ornamente ins Leder. Stich für Stich, mit viel Geschick und vor allem Geduld. Für einen bestickten Riemen brauchen sie um die 200 Stunden – eine wertvolle Handarbeit.

Sarner-Traditionshandwerk-Federkielstickerei_Sarner Gschick03_Foto_Hannes-Thaler

Früher war das Federkielsticken noch ein reiner Nebenerwerb für Bauern und Sattler. Damals bestickten sie hauptsächlich Schellenriemen und die breiten Bauchgurten („Fatsch“) und Hosenträger („Krax“) der Sarner Tracht.

Heute ist diese Arbeit zu einem richtigen Beruf mit einer Lehrzeit von fünf Jahren geworden und neben Trachten verzieren Federkielsticker heute auch Handtaschen, Geldbörsen, Schuhe, Gürtel oder Fotoalben mit den traditionellen Stickmotiven. Besonders beliebte Souvenirs aus Südtirol.

Vor zehn Jahren haben sich fünf Sarner Handwerker zusammengetan. „Sarner gschick“ nennen sie sich, weil „gschickt“ im Dialekt handwerklich begabt bedeutet. Gemeinsam wollen sie ihr Kunsthandwerk weit übers Sarntal hinaus bekannt machen. Sie alle sind sich sicher: Ihre Traditionen werden noch lange weiterleben. Denn auch sie werden ihr Handwerk – wie die vielen Generationen zuvor – an ihre Kinder weitergeben.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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