Drei Burgen, ein Erlebnis

Drei Burgen, ein Erlebnis

Schätze und andere Geheimnisse der Burgenwanderung

Eppan ist die burgenreichste Region Europas. Warum Ritter und Burgfräulein es sich bevorzugt im Überetsch gemütlich gemacht haben, versteht man spätestens, wenn man selbst auf der Burgenwanderung unterwegs ist.

”Oh look at this picture, isn’t it amazing?“, winkt mich eine blonde Wandererin mit großer Sonnenbrille zu sich rüber. Sie steht an einer der alten Mauern der Burgruine Hocheppan und blickt durch ein kleines Fensterchen direkt auf die im Tal liegenden Apfelanlagen, Bozen und den dahinter liegenden, mächtigen Schlern. Der Blick belohnt die Anstrengungen der letzten Stunde.

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Der Blick von Hocheppan über das Etschtal

Zum Start der Drei-Burgen-Wanderung in Eppan habe ich mich an den klassischen Ausgangspunkt begeben, dem Schloss Hotel Korb bei Missian. Je nach Ausdauer, Lust und Laune können Wanderer sowohl mit dem Auto zum Ausgangspunkt fahren und dort parken als auch zu Fuß von den umliegenden Dörfern aus zur Burgenwanderung hin und wieder zurück wandern.
Bereits auf dem Hinweg sticht mir inmitten von Weinbergen und Zypressen das Dreigespann Korb, Boymont und Hocheppan ins Auge.
Die altbraunen Gemäuer der Burgen werden an diesem sonnigen Tag durch den blauen Himmel besonders aus der Landschaft gehoben. Die ersten Schritte auf frisch gemähtem Gras zwischen Weinanlagen in Richtung Burgen bieten einen Weitblick auf die Eppaner Fraktionen Missian und St. Pauls.

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Der Dom auf dem Lande

Vorbei am Unterhauser Weinstadel gelange ich direkt unter die Schatten spendenden Blätter des Waldes. Der ”Burgenweg“ Nr. 12 geht steil empor am Kreideturm vorbei. Als Wehrturm von Schloss Hocheppan steht der Turm etwa 50 Meter vor dem Schloss einsam im Wald. Geht man an ihm vorbei, weiß man aber, dass es bis zum Ziel nicht mehr weit sein kann. Als ich schließlich den letzten Hügel überschreite, steht Hocheppan, die erste Ruine der Tour, thronend vor mir.
Wenige Schritte trennen mich von der Hängebrücke, die über den ehemaligen Burggraben führt. Wenn vor einigen Jahrhunderten noch böse Angreifer darin ertrunken sind, ruht sich hier heute anderes dickes, rosa Getier im Schatten der Ruine aus und grunzt laut vor sich hin.

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Burg-Schweine unter Hocheppan

Mein Blick schweift von den Burg-Schweinen zu den Meraner Bergen, dann rechts weiter, hinweg über den Schlern bis hin zum Schwarz- und Weißhorn. Hinter mir liegt der Eppaner Hausberg, der Gantkofel, der sich in seinen Farben prächtig mit Hocheppan ergänzt.
Durch einen Vorhof geht es direkt in die Ruine, die von Familie Tschigg bewirtschaftet wird.
Lavendel-Duft steigt mir in die Nase. In kleinen Tontöpfen stehen auf den alten Gemäuern verteilt allerhand verschiedene Kräuter. Olivenbäume, Rosmarin und Rebstöcke bringen mediterranes Gefühl sogar auf 640 m Meereshöhe in die rustikalen Mauern aus dem 12. Jahrhundert. Wie die blonde Urlauberin bereits sagte, ist der Blick von hier oben einfach nur amazing.
Das Sahnehäubchen dieser ehemaligen Wehrburg ist die kleine Burgkapelle St. Katharina, die man beim Wandern bereits von weiter Ferne erblickt. Nicht nur hierzulande wird dieser besondere Bau die ”Sixtinische Kapelle der Alpen“ genannt. Grund dafür sind sicherlich die wohlerhaltenen Fresken aus dem 13. Jahrhundert, die bei stündlichen Führungen im Inneren der Kapelle betrachtet werden können.

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Die Fresken der Burgkapelle

Unter anderem liefern sie mit ”Der Knödelesserin“ den ersten Beleg dafür, dass es die Südtiroler Spezialität schon im Mittelalter gab. Nach einer köstlichen Stärkung aus der Burgküche, in der es weit mehr als köstliche Knödel gibt, breche ich auf in Richtung Boymont und lasse die Burg mit seiner Kapelle links hinter mir.

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Schloss Hocheppan

Steil hinab folge ich dem Rauschen des Wassers in eine 60 Meter tiefe Schlucht, von der ich über Holztreppen auf der anderen Seite wieder hoch wandere. Über große Steine geht es wieder hinab bis zum letzten Anstieg unter die Burgruine Boymont.
Einmal unter den Mauern der Ruine aus dem 13. Jahrhundert angekommen, fällt die Vorstellung nicht schwer, wie von hier heroben Wache geschoben wurde. Wo früher hübsche Burgfräulein, tapfere Ritter und später die Herren von Boymont wohnten, kann heute ein deftiges Brotzeitbrettl unter blauen Glyzinien genossen werden.
Unter den lauten Schreien der hungrigen Mäusebussarde, die über meinen Kopf um die Ruine kreisen, trete ich mit vollem Bauch wieder den kurzen Abstieg in Richtung Schloss Korb an, wo sich der Burgen-Kreis am Ende wieder schließt.

Lisa ist die Quasselstrippe, die nur ein leeres Blatt Papier zum Schweigen bringt. Alles andere als bewegungsfaul liebt sie den Mix aus belebten Metropolen und einsamer Wildnis. Wird es ihr doch einmal zu bunt, sucht sie nirgendwo lieber die Ruhe als in den heimischen Bergen. Ohne ihr Notizheft steigt sie aber auf keinen Gipfel, denn die besten Ideen sprießen auf über 2.000 m.

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