Der Egetmann-Umzug in Tramin

Der Egetmann-Umzug in Tramin

Eine Hochzeit mit Rauch, Ruß und fliegenden Fischen

Alle zwei Jahre sind die Narren in Tramin los! Am Faschingsdienstag in ungeraden Jahren lockt nämlich der Traminer „Egetmann-Umzug“ tausende Zuschauer von Nah und Fern in das Weindorf im Süden Südtirols, um die Hochzeit vom Egetmann Hansl zu feiern. Der mehr als 400 Jahre alte Fasnachtsbrauch zählt zu den ältesten und bekanntesten Traditionen in ganz Tirol.
Auch heuer ist es wieder so weit: Der Faschingsumzug, bekannt für seine traditionell gestalteten Wagen und die rein männliche und sehr ausgelassene Besatzung, zieht wieder durch die engen Gassen von Tramin. Fast 800 verkleidete „Maschgra“ – wie man in Tramin zu sagen pflegt – sind aktiv beim Umzug dabei! Eine ziemlich beachtliche Anzahl, wenn man bedenkt, dass das idyllische Dörfchen gerade einmal 3.200 Einwohner zählt und keine Frauen und Kinder am Umzug teilnehmen dürfen. Genau deshalb sind es auch die Männer, die nach wochenlangem Wagenbauen am Morgen des Faschingsdienstages in Frauenkleider schlüpfen und sich aufmachen, um den Egetmann Hansl am Tag seiner Hochzeit zu begleiten. Ein Ereignis, dass wohl kein Außenstehender jemals begreifen oder gar verstehen wird…

Worum geht es bei diesem ereignisreichen Umzug? Hauptsächlich um essen, feiern und trinken – viel trinken. Alle Figuren und ihre Tätigkeiten zu beschreiben würde etwas länger dauern, deshalb stellen wir euch nun die wichtigsten vor, um den Brauchtum zumindest ein kleines bisschen besser zu erklären.

Bunter Faschingsumzug - Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Faschingstreiben in Tramin (Annagreth Thaler)

Der ewige Bräutigam – Der Egetmann Hansl
Die Geschichte, die den Rahmen für das Geschehen bildet, handelt von der Hochzeit vom Egetmann Hansl. In Form einer fein gekleideten Puppe mit Zylinder dargestellt, führt dieser sehr wohlhabende Mann zusammen mit seiner Braut den Umzug an. Auch diese ist – den Regeln sei Dank – ein Mann im Brautkleid. Eine Braut, die den ganzen Umzug über nur Schnaps trinken darf, damit das weiße Kleid keine Rotweinflecken abbekommt. Spätestens nach drei Umzügen wird sie ausgetauscht – sie sollte ja immer schön jung und faltenfrei sein. Begleitet wird das festliche Brautpaar von den Ratsherren. Halt gemacht wird vor jedem Brunnen, wo das Eheaufgebot, das sogenannte „Protokoll“ mit den Hochzeitsversen verlesen wird.
Der Brautpaar-Kutsche folgen weitere 32 Wagen, die die verschiedenen Stände des Dorfes darstellen.

Der Egetmann Hansl und seine Braut - Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Die verliebte Braut auf dem festlichen Wagen (Annagreth Thaler)

Es schnappt, es klappt – Die „Wudelen“ kommen
Das „Schnappvieh“ oder auch „Wudele“ ist eine über 3 Meter große, mit Fell überzogene Figur. Der Kopf ähnelt dem eines Krokodils und hat Hörner statt Ohren. Die aus Holz oder Metall gefertigten Zähne sorgen durch eine am Kiefer hängende Schnur, an welcher der Träger unermüdlich zieht, ordentlich für Lärm. Stundenlang mit dem Vieh am Rücken durchs Dorf zu laufen verlangt allen Respekt, denn die „Wudelen“ können bis zu 30 kg wiegen.
Begleitet werden diese Figuren, die den Winter symbolisieren, von einem Metzger, welcher den Frühling darstellt. Dieser schlachtet nach jeder Protokollverkündigung am Brunnen eines der Viecher.

Die Schnappviecher Wudelen - Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Die beliebten, traditionellen Wudelen (032-Egetmann-Antie)

„Frauengestalten“ – Wer trägt hier wen?
Rennt eine Frau mit einer „Zumm“ am Rücken bei euch vorbei, aus welcher die Stiefel und Hosenbeine ihres Mannes ragen, gefolgt von einer anderen Frau, die ihren Mann und ihre Kinder in einem Buckelkorb mit sich herum trägt, dann seid ihr gerade auf die zwei ältesten Figuren des Egetmann Umzuges gestoßen.
Über ihre Bedeutung rätseln die Volkskundler bis heute.

Die Frauengestalten Zumm beim Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Die Frauengestalten beim Umzug (013-Egetmann-Antie)

Lustig ist das Zigeunerleben – Zwischen reich und arm
Auch die armen und die reichen Zigeuner sind bei der Hochzeit gerngesehene Gäste.
Der Wagen der armen Zigeuner ist in den Augen vieler der schönste und am meisten bestaunte von allen. Wobei „schön“ im Auge des Betrachters liegt.
Die beiden Gruppen symbolisieren das Gefälle zwischen den Notleidenden und den Wohlstehenden.
Während die reichen Zigeuner sich mit gutem Wein und reichlichem Essen die Bäuche vollschlagen und bei schöner Ziehharmonika-Musik ihren Reichtum zum besten geben, beißen die armen Zigeuner notleidend auf ihrem „Lumpenwagen“ an so manchem Federvieh und alter Wurst.

Zigeunerwagen beim Egetmann Umzug in Tramin
Einer der beliebtesten Karren beim Umzug: der arme Zigeunerwagen (007-Egetmann-Dietmar)

Von Schweineblasen und Krax‘n
Mit geschwärztem Gesicht und mit Lumpen bekleidet laufen ein Mann und eine Frau durch das Dorf: Er verfolgt sie mit Schweineblasen während diese schreiend davonläuft. Das sind die „Burgl“ und der „Burgltreiber“, die zusammen die bösen Wintergeister aus den Gassen und Häusern treiben, um Platz für die frische Frühlingsluft zu schaffen. Na dann… „Aiaiaiiii“!

Die Burgl und der Burgeltreiber beim Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Die Burgl und der Burgltreiber in Aktion (028-Egetmann-Antie)

Die Altweibermühle – Wo Frauen wieder jung werden
Oben auf der Altweibermühle werden die alten „Weiblein“ in den Müllerschlund geworfen. Unten kommen sie jung und faltenfrei wieder heraus – eine Verjüngungskur, die nur in Tramin wirkt.
Ziemlich langweilig? Nein! Denn die alten Weiblein wollen auf Biegen und Brechen nicht jung werden. So laufen die Frauen schreiend davon und die Müller mit aller Kraft hinterher. Zum Transport der schweren Weiber werden Schubkarren ohne Reifen zur Hilfe gezogen, damit ordentlich für Lärm gesorgt wird. Schlussendlich werden sie mit viel Gegenwehr auf die Mühle gezogen und zu ihrem Glück gezwungen.

Mühle, Müller und Altweibele beim Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Das „Altweibele“ will nicht jung werden (020-Egetmann-Antie)

Niemals jung! – Los rennt die Zenzi
Die Zenzi ist das hässlichste und älteste „Weibele“: sie weigert sich noch mehr als die anderen, jung zu werden. Während des gesamten Umzuges ist sie in einem Holzkäfig eingesperrt. Erst am Dorfplatz wird sie freigelassen und muss von den Müllern wieder eingefangen werden. Ein wahres Spektakel, denn sie kraxelt so manch eine Hausmauer hoch und über das Gemeindehaus wieder runter. Ist die Zenzi einmal gefangen und durch den Müllerschlund geworfen, ist der Umzug offiziell beendet.

Müller auf einem Wagen mit Altweibele - Egetmann Umzug Tramin Südtirol
„Altweibele“ auf der Mühle (Annagreth Thaler)

Die Waschweiber – Schluss mit Schmutzig!
Sollte ein Besucher Angst haben, während des Umzuges schwarze Farbe abzubekommen oder von einem Fisch getroffen zu werden, so ist das kein Problem: Spätestens die „Waschweiber“ sorgen für ordentliche Reinlichkeit! Sie waschen auf ihrem Wagen und an jedem Brunnen ihre schmutzige Winterwäsche und sind dabei keineswegs wasserscheu und zimperlich. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass auch die Zuschauer nicht trocken bleiben.

Faschingsdienstag in Tramin, Waschweiber - Egetmann Umzug in Tramin Südtirol
Die Waschweiber (Annagreth Thaler)

Und? Habt ihr Lust bei diesem traditions- und emotionsreichen Ereignis mit dabei zu sein?
Dann zieht euch warm an und kommt am Faschingsdienstag, 05. März 2019 ab ca. 12:30 Uhr nach Tramin!


Zwei abschließende Tipps am Rande:

  • Es ist ratsam, den Umzug nicht in Festtagskleidung zu besuchen. Sauber bleibt kaum jemand, denn das Publikum wird spontan in das Schauspiel miteinbezogen.
  • Wem der Umzug der „Großen“ ein kleines Tickchen zu wild ist, kann auch am „Kleinen“ Umzug am Faschingsdienstag jedes geraden Jahres teilnehmen und dieses einzigartige Spektakel etwas ruhiger erleben. Bei diesem Aufmarsch dürfen auch Kinder – sowohl Jungs als auch Mädchen – mitmachen!
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