Ein Berg voll Kinderlachen

Ein Berg voll Kinderlachen

Wanderung zur Fiechter Alm im Ultental

Lachende Kinder fliegen auf der Schaukel um die Wette. Daneben streicheln ein Junge und ein Mädchen die haselnussbraunen und schwarz-weiß gefleckten Kaninchen im eingezäunten Gehege. Es ist ein heißer Sommertag, über 20 Grad. Nur einzelne blasse Wattebäusche bedecken das matte Himmelblau des Ultentals bei Meran. Hier oben auf der Fiechter Alm im Nationalpark Stilfser Joch ist es angenehmer, vor allem im heißen Sommer ist die Alm auf 2.034 m ein willkommener Zufluchtsort vor der Hitze. Die Fiechter Alm, die von den Anwohnern meist einfach nur „Fiecht“ genannt wird, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien im Ultental. An Wochenenden ist die Sonnenterrasse gefüllt, es wird gegrillt und wenn man Glück hat, spielt einer mit der Ziehharmonika. Einfach so, um die Gäste zu unterhalten.

DSC00273
Die Fiechter Alm befindet sich im Ultental auf über 2.000 Metern ü.d.M.

Eine Dreiviertelstunde zuvor gehen wir am Weißbrunnsee in St. Gertraud los. Hier haben wir das Auto kostenlos am See geparkt. Wir überqueren eine kleine Brücke und gehen auf dem Weg 101 weiter. Die Wanderung wird nicht anstrengend – die Kleinen schaffen es locker ihre Spielsachen in ihren eigenen kleinen Rucksäcken zu tragen. Anfangs wandern wir über eine breite, ungeteerte Forststraße. Manchmal machen es sich hier am Wegrand, im Schatten der Bäume, einige Ziegen gemütlich.

DSC00323
Die Ziegen suchen Schutz im Schatten

An der ersten Weggabelung gehen wir rechts auf den urigen und leicht holprigen Wanderweg. Er ist auch mit dem Kinderwagen befahrbar und führt durch felsige Wände, zwischen denen die Luft angenehm kühl ist. An einigen Stellen läuft Wasser über den Weg, Lärchen und Kiefern säumen den Weg bis wir nach rund 20 Minuten an eine kleine Brücke gelangen, die uns wieder auf den Forstweg führt. Ab hier geht es gemütlich bergauf. Der Weg verläuft zwischen Bäumen und führt durch Almwiesen, gespickt unzähligen verschiedenen Almblumen. Die violetten, gelben und roten Farbtupfer in den breitgefächerten Grüntönen geben ein tolles Fotomotiv ab. Hier haben wir einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegenden Berge.

DSC00266
An den schönen Almblumen erfreut sich das Auge des Wanderers

Nach einer guten Dreiviertelstunde lacht uns von weitem die Fiechter Alm entgegen. Ultner Handwerker haben sie traditionell neu erbaut. Von hier aus starten zahlreiche Wandermöglichkeiten durch die unberührte Natur des Nationalparks, die ebenfalls für Familien geeignet sind. Während die aktiven Wanderer den Nagelstein auf 2.469 m erklimmen, kann man es auch gemütlicher angehen und wandert den selben wieder zurück nach Weißbrunn. Oder man nimmt den Weg über den malerischen Fischersee, einem kleinen Stausee oberhalb der Alm, der im Sommer in allen möglichen Blau- und Grüntönen schimmert und dessen Ufer mit seinen Almwiesen zum entspannten Liegen im Gras einlädt. Wir lassen uns auf der sonnigen Terrasse der Alm die traditionellen Almkäseknödel mit frischem Salat schmecken und einen typischen Kaiserschmarrn mit „Grantn“-Marmelade (Grantn= Südt. für Preiselbeeren), der in Südtirol bei keiner Wanderung fehlen darf.

DSC00282
Die Belohnung in Form von traditionellen Knödeln

Vor allem für die Kinder gibt es auf der Fiechter Alm viel zu entdecken: ein Spielplatz mit Schaukel und Sandkasten, ein Spielhaus in einem großen Fass, die Stute mit ihrem Fohlen, die Schweine und nicht zuletzt die unendliche Weite der Natur, die wohl die größte Beschäftigungsmöglichkeit bietet. Und während die Kinder eine unbeschwerte Zeit genießen, legen wir uns in einem der Liegestühle neben der alten Mühle und lauschen dem beruhigenden Wasser.

DSC00288
Die Fiechter Alm erweist sich als Paradies für Kinder

Die Kuhherde hören wir nur von weitem durch die Kuhschellen (Kleiner Tipp: bezeichnen Sie die Schellen nie als Glocken, vor allem nicht in Gegenwart der Hirten, das wäre ein Fauxpas). Sie hat es sich weiter oben im Gras gemütlich gemacht. 33 Kühe sorgen für die Milch, die direkt auf der Alm zu täglich 50 kg Käse und zu Butter – die so ganz anders schmeckt als die aus dem Supermarktregal, Buttermilch und Joghurt verarbeitet wird. Alles in Handarbeit, wie uns Martin, einer der Senner auf der Fiechter Alm erzählt. Der Ultner im selbst gewebten Leinenhemd kennt sich in der Umgebung aus und zeigt uns die Berge, die wir von der Terrasse aus sehen können: das Hasenohr, die Tuferspitze und die Soyspitze sind nur einige davon. Dann muss er auch schon wieder in die Käserei. Die Milch verarbeitet sich schließlich nicht von alleine.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

Urlaubsplaner