Eiskalter Aufstieg

Eiskalter Aufstieg

Die Weltelite im Eisklettern macht in Südtirol Station

Ein paar Grad unter Null und das Abenteuer kann beginnen: Die Rede ist vom Eisklettern, eine der wohl spektakulärsten Wintersportarten überhaupt. Der selektivste, künstlich angelegte Parcours im gesamten Eiskletter-Zirkus liegt in Südtirol, genauer gesagt in Rabenstein, im hinteren Passeiertal. Er besteht aus einem 25 Meter hohen Eisturm, der senkrecht in den Himmel ragt. Zudem gibt es einen 14 Meter hohen Eiszylinder mit einem Durchmesser von bis zu 5 Metern und eine 2 Meter breite und 15 Meter hohe Eiswand, die die besten Eiskletterer der Welt zu bewältigen haben.

Am 26. und 27. Jänner wird das 250-Seelen-Dorf Rabenstein (eine Fraktion der Gemeinde Moos) erneut zum Mekka der Eiskletter-Elite. Im Rahmen des UIAA Weltcups treten über 100 Top-Athleten aus 20 Ländern gegeneinander an. Geklettert wird in den Disziplinen Lead (Schwierigkeit) und Speed (Schnelligkeit). Erwartet werden auch in diesem Jahr Tausende von Fans, die sich das Spektakel im Eis nicht entgehen lassen wollen.

Eine Eiskletterin, die seit Jahren an der Weltspitze mitmischt, ist die Südtiroler Angelika Rainer. Ihr gelang es, ihre große Leidenschaft zum Beruf zu machen. 1986 in Meran geboren, holte sie in den vergangenen Jahren eine Reihe von wichtigen Titeln: Sie erkletterte sich 3 Mal WM-Gold und gewann 2 Mal den Eiskletter-Weltcup. In diesem Jahr verzichtet sie jedoch auf einen Start in Rabenstein. Alle Hintergründe erzählt sie uns im Interview.

Angelika, warum lässt du in diesem Jahr die Etappe in Rabenstein aus?

Vor 12 Jahren habe ich in Rabenstein mein Weltcup-Debüt gefeiert und seither regelmäßig am Bewerb teilgenommen. Nun möchte ich mich auf neue Aufgaben und Ziele konzentrieren. Ich möchte größer angelegte Touren-Projekte in Angriff nehmen, eines zum Beispiel im Iran. Das Klettern ist ein idealer Weg, um die Welt zu bereisen und neue Orte und Landschaften kennenzulernen.

Was hältst du als Südtirolerin vom Weltcup in Rabenstein?

Ich bin natürlich sehr stolz, dass es ein derartiges Event in Südtirol gibt. Zweifellos ist der Parcours einer der schönsten und schwierigsten im gesamten Weltcup. Alle Athleten sind sehr gerne hier.

Wie bist du zum Eisklettern gekommen?

Ich habe im Alter von 18 Jahren eher zufällig damit begonnen. In Bozen fand damals ein Wettkampf im Drytooling, dem Klettern mit Eisgeräten auf Fels, statt. Ich war auf Anhieb begeistert vom Aufstieg mit diesem Equipment. Dann war der Weg zum Eisklettern nicht mehr weit.

Wie ist es für dich als Frau in einem von Männern dominierten Sport aktiv zu sein?

Es stimmt, dass es im Eisklettersport wesentlich mehr Männer als Frauen gibt. Aber für mich war das nie ein Problem. Ich fühle mich respektiert und wertgeschätzt von den männlichen Kollegen, die mich immer wieder dazu einladen, ihre Routen zu wiederholen oder völlig neue Routen auszuprobieren. Ganz allgemein ist es aber sicher ein Unterschied, ob Frauen oder Männer miteinander klettern. Der Kletterstil und auch die Technik unterscheiden sich doch deutlich.

Zurück zum Weltcup in Rabenstein: Wer ist dein heißester Sieganwärter in diesem Jahr?

In der Lead-Disziplin sehe ich die Russin Maria Tolokonina in der Favoritenrolle. Bei den Herren gibt es mehrere, die gewinnen können: Die Russen sind stark, aber auch Nachwuchsathleten aus Frankreich und der Schweiz können durchaus um den Sieg mitklettern. Die Speed-Disziplin dürfte hingegen eine klare Sache für die russischen Starter werden.

Der Eiskletter-Weltcup gastiert heuer bereits zum sechsten Mal im Passeiertal.

Wirst du dir die Bewerbe in Rabenstein vor Ort anschauen?

Persönlich werde ich nicht anwesend sein. Aber natürlich werde ich den Ausgang der Bewerbe genau verfolgen. Wenn möglich, schaue ich mir auch den Live-Stream von zuhause aus an. Rabenstein war und ist für mich immer wie ein Heim-Bewerb, ich erinnere mich noch gerne an das Jahr 2013 zurück, als ich ihn sogar gewinnen konnte.

Was sind deine nächsten sportlichen Ziele?

Ich habe mich dazu entschlossen, beim Europacup mitzumachen. Er ist mit weniger Aufwand und Kosten verbunden als der Weltcup. Nach 2 Siegen in Slowenien und der Slowakei sowie einem 2. Platz in Frankreich folgt nun noch die letzte Etappe des Europacups in Finnland nächsten Monat. Im März beginnt dann das Tourenprojekt im Iran, das ich gemeinsam mit meinem Partner Marco durchführen werde. Darüber hinaus möchte ich mich auch in der Nachwuchsarbeit engagieren und in möglichst vielen jungen Menschen die Lust am Klettern wecken.

Cinzia kommt aus dem Trentino, längst schlägt ihr Herz aber auch für Südtirol. Zu den Dingen, auf die sie niemals verzichten mag, zählen die Berge, Bücher und ein Bad im Gebirgssee. Ihre Erlebnisse bringt sie am liebsten auf Papier oder verewigt sie auf dem Laptop.

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