Freiluftkulinarik

Freiluftkulinarik

Für Besseresser und Abendschwärmer: Die Straßenküche in Sand in Taufers.

Weil das Tauferer Ahrntal zwar viele Vorzüge hat, eine Unmenge an lauen Sommerabenden aber nicht unbedingt dazugehören, weiß man hier die warmen Tage zu schätzen. Vor über zwanzig Jahren hat man in Sand in Taufers damit begonnen, die Küche Dienstag abends ins Freie zu verlegen, und weil daran alle ihre Freude hatten (und das Konzept landesweit Gefallen und Ableger fand), hat man damit bis heute nicht mehr aufgehört. Die sommerliche „Stroßnkuchl“ hat sich mittlerweile zum Dorffest entwickelt, das nicht nur kulinarisch punkten kann: Traditionelle Musikgruppen und lokale Liedermacher lassen es nicht leise werden, und Südtiroler Handwerker sich über die Schulter schauen.

Die Nase führt einen dann zwischen Menschen und Musik durch das Dorfzentrum, der Geruch von „Spatzl’n“ (Spätzle), Strauben und Steinpilzrisotto weist einen mal links und mal rechts, und mittendrin leuchten bunte Kuchen wie der Sahnezug über dem Abend. Südtiroler Bands wie Mainfelt und Nolunta’s geben sich die Ehre und spielen, in bester Straßenmusikermanier, an kleinen Plätzen ohne große Bühne und Verstärker.
Neuigkeiten gibt es in Sachen Nachhaltigkeit: Die Straßenküche ist seit diesem Jahr offizielles „Going Green Event“ und damit auf dem Weg zur Auszeichnung zum „Green Event„: Mit diesem Prädikat prämiert die Landesagentur für Umwelt  jene Veranstaltungen, die auf regionale Produkte setzen, umweltbewusst geplant und verwirklicht werden – gute Nachrichten für alle, die mit gutem Gewissen genießen wollen.
Zwischen den lokalen Leckerbissen laden die von heimischen Festen bekannten „Bierstandlan“ zum Einhalten ein, die den Namen so aber eigentlich nicht mehr verdienen: Dieses Jahr sind sie, stimmig mit der neuen nachhaltig-regionalen Ausrichtung, in neuem rustikalem Design gehalten und machen so das Einkehren und Einstimmen in den Abend noch schöner. Wer lieber in Bewegung bleibt, flaniert durch die Menge oder bummelt durch die Geschäfte, die bis 22 Uhr geöffnet haben.

Hat man es sich dann gemütlich gemacht in der Stimmung, die einen viel zu schnell durch den Abend trägt, naht auch schon die Sperrstunde: Die Standbetreiber schließen um 23 Uhr, dem offiziellen Ende der Straßenküche. Doch zu der Uhrzeit soll man den Abend noch nicht abschließen, der sich zwischen Genuss und Kulinarik angebahnt hat und nun erst zur Feier wird, die man werktags in Taufers sonst nur selten hat. Also geht es für die Nimmer-Müden weiter zur „Icebar“ am Festplatz, wo sich alle treffen, die noch nicht nach Hause wollen und die wissen, dass die Feste fallen, wie sie halt gefeiert werden.

Will man den Sommerabend nach offiziellem Stroßnkuchl-Schluss gemütlicher ausklingen lassen, dann lässt man das bewegte Dorfzentrum hinter sich und spaziert Richtung St. Moritzen – jenem Teil von Sand in Taufers, der auf der anderen Seite der Ahr liegt (dem Fluss, von dem das Ahrntal seinen Namen hat). Hier gibt es den besten Ausblick zur nächtlich beleuchteten Burg Taufers, und wem diese schon bei Tag imposant genug ist, der hat sie bei Nacht noch nie gesehen. Der Anblick allein ist den kurzen Abstecher schon wert. Hier liegt nun noch das Designhotel Feldmilla, eine Perle des Geschmacks für die Urlaubsseele, die auch mal Abstand von Folklore will: Auf der nicht übervollen Terrasse, ohne laute Musik, dafür mit dem nahen Bachrauschen im Ohr, genießt sich das letzte Glas des Abends so entspannt, als hätte man den Ort eben für sich allein entdeckt.

Vera ist sich noch nicht sicher, ob sie Stadt oder Land den Vorzug gibt, lieber den Sommer oder den Winter hat und die Seen für schöner als die Berge hält. Weil man sich hierzulande glücklicherweise nicht entscheiden muss, ist das zwar ein Luxusproblem, aber sonst nicht weiter schlimm.

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