Geschick und Geduld

Federkielstickerei im Sarntal

Geduld, das ist gerade heutzutage eine wahre Tugend. Der Familie Thaler scheint sie im Blut zu liegen. Sie betreibt in der dritten Generation eine Federkielstickerei im Sarntal. Ein Handwerk, das es in der Region seit mehreren Hundert Jahren gibt. Die filigrane Stickerei schmückt die Gürtel und Hosenträger der Sarntaler Männer-Tracht. Heute auch Ledergeldtaschen und Schlüsselanhänger. Jedes Stück ist ein Unikat, das Motiv ist frei wählbar. Die Fäden bestehen aus einem Material, das man im Alpenraum so überhaupt nicht vermuten würde: Pfauenfedern. „Das Handwerk des Stickens gibt es bei uns im Tal schon lange, aber woher die Pfaue kamen, ist bis heute nicht ganz geklärt“, erzählt Chef Ulrich Thaler.

Das Sticken ist nichts für unruhige Gemüter: Zuerst wird jede einzelne weiße Pfauenfeder in filigraner Handarbeit in sechs bis acht einzelne Strichfäden zerteilt. Dann nehmen die Sticker auf speziell konstruierten Stühlen Platz und besticken Rinds- oder Kalbsleder mit den weißen Fäden. Stich für Stich. „Fehler sind dabei nicht wirklich möglich – und wenn, dann muss man schnell reagieren“, sagt Mitarbeiter Georg Thaler. Immerhin sind für einen reich verzierten Gürtel 160 Arbeitsstunden nötig. In der Mitte oder am Schluss noch einmal von vorne anzufangen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die mühselige Handarbeit wird belohnt. „Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie viel Freude der Kunde am Ende damit hat“, so Ulrich Thaler.

Maria Kapeller - www.kofferpacken.at

Maria ist freie Texterin und (Reise)-Journalistin für Magazine, Agenturen und Zeitungen. Ihre letzte große Reise dauerte fünf Monate und führte sie nach Asien, Australien und Neuseeland.

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