Im Anblick von Messners Bergen

Im Anblick von Messners Bergen

Familienwanderung am Naturerlebnisweg Zans im Villnössertal

Kaum ein Interview, kaum ein Buch, indem Reinhold Messner nicht von der Geislergruppe schwärmt. Seine Hausberge haben ihm zu dem inspiriert, was er später wurde – einer der größten Alpinisten aller Zeiten. Zur Beruhigung für uns alle: Man muss die Geislerspitzen nicht – wie er – von oben gesehen haben, um ihrer Faszination zu erliegen. Es genügt eine gemütliche Wanderung am Naturerlebnisweg Zans in Villnöss am Fuße von Sass Rigais und Co.

Doch der Reihe nach: Wir fahren mit dem Auto nach Klausen, 2-3 Kilometer später biegen wir rechts nach Villnöss ab. 24 Kilometer ist das urige Tal mit seinen rund 2600 Einwohnern lang. Während der Fahrt durch die Ortschaften Teis, St. Valentin, St. Peter und St. Magdalena werden uns immer mal wieder Blicke auf die atemberaubende Bergwelt des UNESCO-Weltnaturerbes Dolomiten gewährt. Unser Ziel ist der Talschluss in Zans. Am gebührenpflichtigen Parkplatz (Tagestarif 5 Euro) vor der Zanser Alm stellen wir unser Auto ab. Die Autobuslinie 341 (ab St. Peter) hält übrigens auch dort.

Ausgehend vom Wendeplatz beim Infopoint Zans (1680 m), folgen wir der asphaltieren Straße in Richtung Berggasthof Sass Rigais. Der 2,5 Kilometer lange, größtenteils eben verlaufende Naturerlebnisweg Zans beginnt mit einer sanften Steigung auf gekiestem Verschleißbelag. Die Ruhe und die beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt im Naturpark Puez-Geisler ziehen uns sofort in ihren Bann. Wir überqueren die Piuswiesen und treffen erstmals auf die Geislerspitzen, die uns fast den gesamten Weg über begleiten werden, und auf die ersten beiden von insgesamt 15 Stationen. Sie informieren über die Entstehung und die naturkundlichen Besonderheiten des Gebietes. So lernen wir schon zu Beginn, was die Fauna mit dem Gesundheitszustand von Gewässern zu tun hat. Währenddessen lauschen wir dem Rauschen des Gebirgsbaches. Ein kitschiger Moment. Oder man könnte auch magisch sagen.

Die Geislergruppe bei Villnöss

Wir gehen den sehr gut markierten Weg weiter und passieren die Stationen „Konzertsaal Natur“ und „Berge zum Anfassen“. Dabei klärt man uns auf, wie vielfältig die Klangkulisse der Natur ist. Wir schärfen unseren Gehörsinn. Lautlos, aber nicht minder beeindruckend ist die Kulisse, die uns unter dem Titel „Berge zum Anfassen“ vorgestellt wird: die Geislergruppe. Der ladinische Name „Odles“, auf deutsch „Nadeln“, trifft die geologische Formation der Geisler übrigens perfekt. Der zerklüftete Fels hat zahlreiche schlanke Türme, die wie Nadeln in die Höhe ragen. Hauptgipfel der Geislergruppe sind Sass Rigais und Furchetta mit jeweils 3025 Metern. Beide hat Reinhold Messner in jungen Jahren bezwungen. Man zeigt uns sogar auf, welche Routen er dafür gewählt hat. Mit den mächtigen Gipfeln direkt vor Augen, werden wir plötzlich leise – aus Ehrfurcht vor Messner und seinen Bergsteiger-Kollegen.

Hinter einem Holzzaun biegen wir nach wenigen Metern links ab und folgen den Hinweisschildern mit dem Rollstuhlpiktogramm. Der Wanderweg führt ab hier mit einer konstanten Steigung weiter: Nach jedem Anstieg gibt es Rastmöglichkeiten mit Tischen und Bänken. Schließlich gelangen wir zu einer Holzbrücke. Von hier führt der Weg durch einen schattigen Wald hinunter bis zu einem Wildgehege, in dem man Rehe, Hirsche und Dammhirsche beobachten kann. Hier befindet sich außerdem ein antiker Kalkofen.

Eine kleine Stärkung auf einer Almhütte darf nicht fehlen!

Wenig später erreichen über einen kurzen Abstieg wieder die Straße, die uns zum Ausgangspunkt am Parkplatz Zans zurückführt. Dabei dürfen wir noch ein letztes Mal zeigen, wie es um unsere Sinnesschärfe steht. Wir sollen ein Froschmotiv in der Natur erkennen. Es klappt! Ein Erfolgserlebnis zum Abschluss. Eines von vielen entlang des Naturerlebniswegs, der für uns ab sofort Naturerfahrungsweg heißt, weil wir selten so viel über die Natur erfahren durften, wie in den vergangenen knapp 1,5 Stunden.

Cinzia kommt aus dem Trentino, längst schlägt ihr Herz aber auch für Südtirol. Zu den Dingen, auf die sie niemals verzichten mag, zählen die Berge, Bücher und ein Bad im Gebirgssee. Ihre Erlebnisse bringt sie am liebsten auf Papier oder verewigt sie auf dem Laptop.

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