Yogadays Südtirol

Im Gespräch mit der Südtiroler Yoga-Pionierin Alice Hönigschmid

Alice Hönigschmid hat eine Vision: eine yogische Community in Südtirol. Als die gebürtige Münchner Grafikerin, Fotografin, Yogalehrerin und Pferdephysiotherapeutin vor sieben Jahren im Keller ihrer Oma in Auer ihre ersten Yogastunden gibt, scheint der Traum noch groß. Doch einige Jahre, viel Vertrauen und einen Haufen Arbeit später, entsteht 2017 schließlich das erste Südtiroler Yoga-Festival und damit eine neue Basis für Alices Community-Traum.
Mittlerweile haben sich die „Yogadays Südtirol“ und werden in diesem Jahr eine ganz neue Form annehmen.
Alice%20H%C3%B6nigschmid

 

» Alice, du kommst ursprünglich aus München und bist mittlerweile seit doch 10 Jahren Südtirolerin. Was hat dich zum Bleiben veranlasst?
Als mich vor 10 Jahren in München nichts mehr gehalten hat, bin ich meinen mütterlichen Wurzeln gefolgt und bin nach Südtirol gezogen. Zu der Zeit habe ich mit meiner Cousine Irene Hager an einem Projekt zum Egetmann Umzug gearbeitet. Nun ist dieser Fasching ja sehr speziell, aber er steht für mich für die kraftvollen Menschen in Südtirol. In dem Moment hat mich das getriggert, das habe ich im Bayerischen Umfeld so nicht erlebt.

» Nun bist du während deiner Zeit hier doch immer wieder in die alte Heimat gependelt und hast dich dort zur Yogalehrerin ausbilden lassen.
Genau. In meiner Vergangenheit habe ich viel voltigiert, habe trainiert und auch bei Wettkämpfen gerichtet und irgendwann war die Zeit vorbei. Da fand ich, Yoga könnte gut zu mir passen. Auf der Suche nach dem richtigen Ort dafür, hat der Weg schließlich bei Patrick Broome in München geendet. Da war es tatsächlich um mich geschehen. Lange Zeit wollte ich, dass Yoga mein Hobby bleibt, aber irgendwann kam der Punkt, wo ich einfach tiefer eintauchen wollte. Nach meiner 4-wöchigen Ausbildung habe ich noch ein Apprenticeship bei Patrick angehängt und schließlich in München und Südtirol unterrichtet.

» Deine ersten Stunden hast du 2013 in einem Raum im Haus deiner Oma gegeben. Die Yogaszene in Südtirol gab es damals noch nicht. Oder?
Es war echt mühsam. Am Anfang war hier in Südtirol gar nichts, in München boomte das Yoga hingegen. Dort ging man ins Studio und man fühlte sich „we are family“. Die meiste Zeit habe ich hier mit drei oder vier Leuten geübt, das Community-Feeling fehlte. 2014 habe ich gemeinsam mit zwei KollegInnen schließlich das Yogateam in Bozen gegründet. Erst nach zwei Jahren hatte ich mich aber irgendwie etabliert. Seitdem schwebt mir der Traum von einem Münchner Style Yogastudio in Südtirol vor. So mit einer Lounge und 'nem kleinen Kaffee. Der hat sich leider noch nicht erfüllt. (grinst)
 

„Yoga kann nicht genug gemacht werden auf diesem Planeten. Gerade jetzt.“

 

» Ein Grund, dass du die „Yogadays Südtirol“ vor vier Jahren ins Leben gerufen hast?
Das Community-Gefühl hatte ich in München und das wollte ich hierher bringen. Mit Workshops, mit Retreats, mit meinen Stunden und schließlich eben mit den Yogadays, genau. Ich wollte so ein richtig geiles Festival machen, so mit allem Drum und Dran (lacht). Ich wollte die Community stärken und auch die Diversität in Südtirol zu zeigen. Wir haben so viele unterschiedliche Lehrer, das ist einfach toll. Dann habe ich Baslan als Ort entdeckt, war begeistert und habe mit der Organisation begonnen. Im ersten Jahr haben wir ausschließlich Südtiroler YogalehrerInnen eingeladen und seitdem sind wir immer weiter gewachsen. Mittlerweile habe ich viel Unterstützung, vor allem von zwei wunderbaren Kolleginnen, Hanni und Andrea.

» Von Anfang an finden die „Yogadays Südtirol“ im Gartensaal Baslan in Tscherms bei Meran statt. Was macht die location so besonders?
Zum einen der bisschen verwunschene Platz. Dieser Garten mit seiner ganz eigenen Stimmung, durch den man erstmal laufen muss. Vorbei an dieser alten Kastanie mit sicher zwei Metern Durchmesser und schließlich der Raum. Vermutlich ist es der schönste, große, spirituelle Raum in Südtirol. Da drin spürt man einfach, wofür er gemacht wurde. Der hat ne ganz eigene Schwingung.

» Warum sollte man sich aus einer Großstadt kommend zum kleinen Festival am Land anmelden?
Wir haben alle sehr eigene Stile. In der Großstadt ist es hingegen schon immer sehr einheitlich, finde ich. Schon allein der Dialekt unterscheidet sich bei jeder einzelnen YogalehrerIn. Dadurch, dass es meistens LehrerInnen sind, die nicht jedes Wochenende auf einem Seminar sind, reißen sie auch nicht ihr Programm runter. Bei den Yogadays merkt man, dass jeder was Persönliches mitgeben möchte und auch auf die Leute eingeht. Das ist schon besonders.

» Welche Lehrer darf man sich in diesem Jahr erwarten?
Das Programm machen Hanni und Andrea. In diesem Jahr haben wir relativ viele junge YogalehrerInnen, die sich wieder neu in Südtirol ansiedeln. Ob der deutsche Yogalehrer Percy Shakti im Juni dazukommt, hängt ein bisschen von der Situation ab.

» Außerdem habt ihr in diesem Jahr eine zweite Ausgabe im LUMEN Museum am Kronplatz?
Genau, da ist Petra Röck auf mich zugekommen und hat diese Erweiterung ins Leben gerufen. Sie hat nochmal einen anderen Ansatz mitgebracht, der die Yogadays wahnsinnig bereichert. Sie ist jung und hat extrem viel Energie. Im LUMEN yogiert man mit Blick auf die Dolomiten, das wird nochmal ganz anders und sehr speziell.

» Werden auf den beiden Ausgaben die gleichen LehrerInnen unterrichten?
Nein, die Yogadays im LUMEN haben ein völlig anderes Programm, was ich auch spannend finde.

» Gerade befindest du dich ja in Ausbildung zur Yoga-Philosophie. Hast du noch ein philosophisches Statement am Ende für uns?
Oh Gott (lacht). Was mich neulich sehr berührt hat, und nicht von Sriram oder einem indischen Weisen stammt, sondern von meiner Cousine, ist der Satz: Das Universum kennt nur ja, es gibt kein nein. Das finde ich so spannend! Es gibt nur die Verbindung, das Ja. Wenn man Dinge bejaht, fällt alles ab und man wird plötzlich so leicht. Aber wir tun uns alle gleich schwer damit. Die große Kunst dabei: dieses Ja in den Kontext der Diversität des Neins einzufügen. Das ist die Herausforderung unserer Zeit, immer und immer wieder. Und wir als Yoga-Praktizierende und Lehrende sollten genau das vermitteln. Immer wieder in dieses Ja zu gehen, ohne das Nein dabei zu verteufeln.
Petra%20R%C3%B6ck

 

Yogadays Südtirol

→ 12. - 13. Juni im verwunschenen Gartensaal Baslan in Tscherms bei Meran
→ 18. - 19. September im LUMEN Museum am Kronplatz bei Bruneck

Fotos: © Manuela Tessaro, Alice Hönigschmid, Petra Röck
Condividi
Lisa è una chiacchierona, solamente un foglio bianco immacolato riesce a zittirla! È tutto tranne che pigra e ama il mix di colori che chiama “vita”. Tra libri per bambini, caselle di posta elettronica, verdure colorate e il suo tappetino di yoga rosso fiammante, a volte si chiede quante ore possano effettivamente esserci in una giornata.

La tua vacanza