Jazz zeigt dir unsere Heimat

Jazz zeigt dir unsere Heimat

Das Südtirol Jazz Festival: 160 MusikerInnen, 46 Locations, 10 Tage

Langeweile ist im Urlaub eigentlich ein gerne willkommener Begleiter. Doch vom 29. Juni bis am 8. Juli spielt in Südtirol ein anderer Rhythmus. Einer, den man kaum in Worte fassen kann, so vielseitig ist er. Von Pop, Rock, Noise und Rap bis hin zu Folk, Free Jazz und elektronischer Musik vereint ihn nur der Name: Südtirol Jazz Festival. Seit 36 Jahren eine Veranstaltung, die Musikliebhaber aus aller Welt an den schönsten und oft auch verrücktesten Locations Südtirols zusammenbringt. Straßen, Plätze, Hotels und Museen aber auch Almhütten, Seilbahnstationen und Marmorbrüche verwandeln sich in Bühnen für internationale Künstler. „Mit der Musik erkunden wir die Vielseitigkeit unseres Landes. Musikalisch, aber auch geografisch und kulinarisch“, meint der Präsident und künstlerische Leiter des Südtirol Jazz Festival Klaus Widmann.

 

Klaus, wie konnte aus einem einzigen Konzert im Jahre 1982 ein so großes, internationales Festival werden?
Das Südtirol Jazz Festival hat eine sehr lange und sehr unterschiedliche Geschichte. 1982 von Nicola Ciardi gegründet, war Jazz damals noch eher unbekannte Musik. Auch Festivals gab es zu der Zeit in Südtirol noch keine. Weil man den Bozner Sommer kulturell besetzen wollte, kam eine solche Initiative aber gerade recht. Angefangen mit einem einzigen Konzert, traten in Südtirol schon bald Weltstars wie Bobby McFerrin auf. Trotz der großen Qualität wurde das Festival aber immer weniger wahrgenommen und finanziell auch immer weniger unterstützt. Ein Wechsel musste her. 2004 habe ich den Verein übernommen und das Festival neu ausgerichtet. Heute wollen wir mit der Jazzmusik zu den Menschen ins Land rausgehen und die schönsten Plätze Südtirols musikalisch erkunden.

Junge Musiker spielen Jazz , Südtirol Jazzfestival

Während am Anfang musikalisch noch breit gebaut wurde, fokussiert sich das Südtirol Jazz Festival heute vor allem auf junge Musiker. In diesem Jahr unter dem Titel „Exploring the north“.

 

Wie findest du in jedem Jahr die richtige Mischung an Musikern?

Von August bis Dezember suche ich jedes Jahr intensiv nach neuen Künstlern. Seit einigen Jahren immer mit einem gewissen Länder-Schwerpunkt. Um die junge Szene in verschiedenen Ländern zu finden, muss man aber sehr tief graben. Da reicht es nicht, gemütlich einige Buchungen über Agenturen zu machen. Ich recherchiere im Internet, versuche Kollektive zu finden und reise auch selbst immer wieder ins Ausland auf Konzerte.

 

Was unterscheidet das Südtirol Jazz Festival von diesen Konzerten im Ausland?

Eine einzigartige Kombination aus Musikern, Locations und Rahmenprogramm. Man wandert nicht nur auf die schönsten Hütten Südtirols, sondern verkostet Weine und traditionelle Küche und besichtigt Marmorbrüche, wenn man auf dem SJF ein Konzert anhören will.

 

Welche Musik kriegt man denn zu Ohren?

Wenn ich auf Skitour gehe, wandere ich oft auch auf unentdeckten Wegen und bin oft auch mit einem gewissen Risiko unterwegs. Aber genau dadurch erlebe ich auch etwas. Neues suchen, ist nicht nur auf Skiern, sondern auch musikalisch mein Ding. Wenn die Leute zu mir sagen: „Ich kenne hier niemanden, was ist das für ein Festival?“ muss ich grinsen. Das ist genau unser Profil, mit dem wir uns international positionieren, Anerkennung erlangen und uns weiterhin besetzen wollen.

Experimentelle Musik, internationaler Jazz Festival in Südtirol


Was meinst du, bleibt Jazz weiterhin eine Nische?

Durch seine Komplexität denke ich schon. Free Jazz ist meiner Meinung nach überholt. Der Jazz von heute ist von elektronisch-rockig bis zu gesanglich-poppig breit gefächert. Da ist für jeden was dabei. Bei vielen Jazzliebhabern ist das Programm des Festivals aber auf Ablehnung gestoßen, weil wir neue, modernere Wege eingeschlagen haben. Im zeitgenössischen Jazz findet alles Platz, was junge Leute heute erleben. Das ist die Zukunft von Jazz.

 

Und worauf freust du dich am meisten?

Eine Frage, die ich nicht so gerne mag. Es gibt nämlich keine Highlights. Wir haben 55 Konzerte, von denen keines dem anderen auch nur ein bisschen nachsteht. Was in diesem Jahr vielleicht anders ist, sind die Jazz-Touren, die wir für die Besucher ausgearbeitet haben. Sie führen entweder durch die vier Festivalstädte Bozen, Brixen, Bruneck oder Meran oder quer durch Südtirol. Außerdem gibt es verschiedene Shuttles für die Festivalbesucher.

Südtirol Jazz Festival im Stadtzentrum Bozen, Waltherplatz, Jazzbühne

 

Ein Highlight gibt es aber doch bestimmt in deiner Karriere?

Als Kletterer haben mich die Konzerte auf der Comici Hütte am Fuße des Langkofels immer schon begeistert und ich habe davon geträumt einmal etwas direkt in der Wand zu machen. Vor drei Jahren haben wir eine Erstbesteigung der drei Kletterer Brüder Favresse aus Belgien mit zwei Bands auf verschiedenen Ebenen untermalt. Außerdem war der Slackliner Armin Holzer mit dabei, dessen Slackline mit einem Mikrofon ausgestattet war, um ebenso Töne mit dazuzusteuern. Das war echt das Verrückteste!

Lisa ist die Quasselstrippe, die nur ein leeres Blatt Papier zum Schweigen bringt. Alles andere als bewegungsfaul liebt sie den Mix aus belebten Metropolen und einsamer Wildnis. Wird es ihr doch einmal zu bunt, sucht sie nirgendwo lieber die Ruhe als in den heimischen Bergen. Ohne ihr Notizheft steigt sie aber auf keinen Gipfel, denn die besten Ideen sprießen auf über 2.000 m.

Urlaubsplaner