Mekka für Kraxler

Mekka für Kraxler

Das größte Outdoor Bouldergebiet Südtirols liegt in Algund.

Es duftet nach feuchtem Waldboden, den der geschmolzene Schnee hinterlassen hat. Auch wenn der Winter gerade erst ausklingt, ist es hier am Berghang in Algund bereits wärmer als sonst wo in Südtirol. Ohne Seil und Karabiner dafür aber mit einem dicken, großen Crashpad bewaffnet, wandern wir heute durch den Algunder Wald in Richtung Abenteuer. Im größten Bouldergebiet Südtirols reiht sich ein Sektor an den nächsten und buhlt mit den verrücktesten Namen um die Wette. Wir wollen zum Knödelmann. Hier sehen die Felsen aus als wären sie Schicht um Schicht aus dem Boden gewachsen. Nicht zu glatt und nicht zu rau bieten sie die perfekte Oberfläche, um die kalten Finger einzuwärmen. Und auch das Absprunggelände ist hier perfekt. An das Klettern im Freien muss man sich bekanntlich jedes Mal aufs Neue gewöhnen. Die ersten Griffe versiegeln die Verbindung zur unberührten Natur und verblasen den letzten Gedanken an den hektischen Alltag ganz einfach im Wind. Griff für Griff hangeln wir uns von einer Route zur nächsten und lassen die Zeit still stehen.

Im Bouldergebiet in Algund wird bereits seit knapp 20 Jahren gebouldert.

 

Bei 370 Bouldern in den Schwierigkeitsgraden von 4 bis 8 kommt in Algund jeder auf seine Kosten – vom Anfänger bis zum Profi. Wir versuchen uns als nächstes an Frodo’s ass, der nicht nur volle Körperspannung, sondern auch noch Hände mit richtig gutem Grip fordert. Einige schlechte Aufleger fordern mehrere gute Versuche, um schließlich den Top-Griff zu erreichen.
Weil die Sonne mittlerweile so hoch steht, dass sie zwischen den Baumspitzen hindurch bis zu uns herunter scheint, gönnen wir uns erst mal eine köstliche Kletterer-Jause. Frisch geschnittener Speck, selbst eingelegtes Gemüse und ein Vinschger Paarl schmecken nirgendwo sonst so gut, wie in der freien Natur. Während die angestrengten Muskeln von der Wärme der Sonne verwöhnt werden, bringen wir unser Inneres mit heißem Tee mit Schuss wieder in Fahrt.

„Grave Cave“ in Algund

 

Grave Cave ist einer der Klassiker hier in Algund. Das am 6c+ Boulder bereits einige passionierte Kletterer vor uns herumgetüftelt haben, sieht man an den hinterlassenen Magnesiumspuren, die den Stein an manchen Stellen weiß einfärben. Den Spuren gefolgt, ist die Route schnell klar: Man klettert überhängend aus einer Höhle hinaus, um dort den weiten Schlüsselzug zur Außenkante zu schaffen. Vorausgesetzt man besitzt über eine ausreichend große Spannweite. 😉
Von Zug zu Zug werden unsere Muskeln schwächer und auch die ersten offenen Finger müssen mit buntem Tape versorgt werden. Weil die Sonne den Südhang richtig aufgeheizt hat, ist es jedoch bis in die Abendstunden richtig angenehm. An ein Ende will hier noch niemand wirklich denken. Schokolade und Trockenfrüchte geben noch einen letzten Energiekick. Doch für die berühmt berüchtigten sieben Meter Riesen reicht die Kraft trotzdem nicht mehr. Also bouldern wir uns an einigen leichteren Steinen aus und gehen den Abstieg durch Apfel- und Weinfelder an. Der Blick über Algund und Meran in der Abenddämmerung verschafft schnell Lust dazu, an den Outdoor-Tag noch einen kleinen Stadtbummel oder vielleicht sogar etwas Muskel-Entspannung in den Meraner Thermen anzuhängen. Oder – so wie wir – die müden Körper mit einem Teller voll Südtiroler Energie zu versorgen, um am nächsten Tag gleich nochmal nach Mekka zu pilgern.

Berg Heil!

Lisa ist die Quasselstrippe, die nur ein leeres Blatt Papier zum Schweigen bringt. Alles andere als bewegungsfaul liebt sie den Mix aus belebten Metropolen und einsamer Wildnis. Wird es ihr doch einmal zu bunt, sucht sie nirgendwo lieber die Ruhe als in den heimischen Bergen. Ohne ihr Notizheft steigt sie aber auf keinen Gipfel, denn die besten Ideen sprießen auf über 2.000 m.

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