Nordpol in Sexten

Nordpol in Sexten

Rentiere im Skigebiet auf der Rotwand

Es ist Winter auf der Rotwand in Sexten. Einige Besucher ziehen ihre Schwünge durch das morsche Weiß des Skigebietes, Kinder spielen lachend rund um die zehn Meter hohe Schneemannfamilie. Während kristallene Flocken durch die Winterluft tanzen, bekommen auf der Rotwand vor allem die Kleinen immer wieder große Augen.

Im Winter nämlich, da kommen Rentiere auf die Piste, um bei den Gästen Streicheleinheiten zu suchen. Einmal pro Woche können die kleinen Besucher des Skigebietes mit den Rentieren Schlittenfahren und ihnen gemeinsam mit den Eltern sogar bei der Fütterung zusehen. Ein wahres Winter-Spektakel. Aber wie sind die Tiere des Weihnachtsmannes nach Südtirol gekommen?

Christian Tschurtschenthaler, 49 Jahre alt aus Moos in Sexten gibt Antworten. Er ist für Marketing und Pressearbeit bei der Sextner Dolomiten AG zuständig und der Mann, der sich um die nordischen Tiere kümmert. Mittlerweile lebt schon die dritte Generation Rentiere auf der Rotwand. Seine zwei kleinen Buben, Benedikt sechs Jahre und Kassian zweieinhalb, begleiten ihn nur allzu gerne bei seiner Arbeit.

DSC_0643(by Tschurtschenthaler Christian)2

Herr Tschurtschenthaler, wie ist man auf die Idee gekommen, Rentiere nach Südtirol zu holen?
Bevor die Rotwand sich mit den anderen Skigebieten hier zusammengeschlossen hat, waren wir ein kleines Familienskigebiet und haben viel auf Attraktionen für Familien gesetzt, wie zum Beispiel Schlittenfahrten mit dem Schneemobil. Da die Rotwand aber mitten im UNESCO-Welterbe Dolomiten liegt, wollten wir umweltfreundliche Schlittenfahrten anbieten und schon bald war die Idee mit den Rentieren geboren.

Bei einem Rentierbauern in Finnland wurden wir fündig. Dieser war aber skeptisch, weil die klimatischen Unterschiede zwischen Finnland und den Alpen groß sind. Im Winter ist es in Finnland ständig Nacht, im Sommer geht die Sonne drei bis vier Monate nicht unter. Der andere Punkt ist die Höhenlage: Die Rotwand liegt auf 2.000 Metern, in Finnland leben die Rentiere auf 100 bis 200 Metern Meereshöhe.

Trotz Bedenken haben wir Ende November 2003 vier Rentiere mit dem Schiff und LKW auf ihre zwölftägige Reise geschickt.

Und wie finden sich die Tiere hier zurecht?
Sie haben sich relativ schnell an die Umgebung gewöhnt und schon im ersten Winter einen Schlitten gezogen. Im Sommer kamen schon die ersten Jungtiere zur Welt und seitdem bieten wir geführte Rentierfütterungen an.
Mit sehr viel Pflege ist es möglich, diese Tiere auch in den Alpen zu halten. Es ist aber nicht leicht, denn auch das Futter spielt eine große Rolle. Das Hauptnahrungsmittel ist Isländisch Moos, eine typische Flechtenart – wir sagen „Bambort“ dazu. Zum Glück wächst das auch hierzulande. Dazu bekommen sie spezielles Rentierfutter. Im Sommer sind die giftigen Fliegenpilze eine Leibspeise für die Tiere. Das glauben die Wenigsten, aber das ist so. (lacht)

Wann genau finden die Rentierfütterungen statt?
Am 25. Dezember gibt es ein Rotwand-Weihnachtsfest mit Weihnachtsmann und Rentieren – ein Highlight für alle Kinder. Jedes bekommt ein kleines Geschenk und damit fällt der Startschuss zu den geführten Rentierfütterungen, die bis Mitte März jeden Donnerstag ab 14 Uhr auf der Rotwandwiese stattfinden.

Was müssen Besucher tun, wenn sie teilnehmen möchten?
Jeder kann einfach vorbeikommen, eine Anmeldung braucht es nicht. Man nimmt die Rotwandbahn von der Talstation „Bad Moos“ und fährt bis zur Bergstation. Direkt daneben befindet sich das Rentiergehege.

Wie viele Rentiere leben zurzeit auf der Rotwand?
Zurzeit haben wir fünf Rentiere – zwei Männchen und drei Weibchen: Seppl, Mika, Valentina, Emmi und Kelly. Wir hoffen, dass sie dieses Jahr wieder Nachwuchs bekommen. (lächelt)

Haben Sie einen Liebling?
Mein Liebling ist Mika, er ist der Chef im Gehege. Bei den Rentieren hat das Tier mit dem größten Geweih das Sagen, die anderen orientieren sich an ihm. Mika macht das Programm, er ist sehr dominant aber vom Aussehen her eine Ikone. Er hat ein wunderschönes Geweih, das er jedes Jahr im Winter abwirft. Und wenn es wieder nachwächst, kommen neue Spitzen dazu.

Selbst bei Schneefall kommen viele Kinder. Das Spektakel wollen sie sich nicht entgehen lassen.
Selbst bei Schneefall kommen viele Kinder. Das Spektakel wollen sie sich nicht entgehen lassen.
Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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