„Plent“ meets Wein

„Plent“ meets Wein

Polenta kochen im Weinberg

Rauchschwaden hängen in der Luft, vermischt mit dem Geruch von Polenta, die in dem runden Kupferkessel maisgelb blubbert. Es ist Anfang September. Die Sonne hat an Kraft verloren, die Blätter der Weinreben verfangen sich am Abend in goldenes Licht und die Morgenstunden werden immer öfter von zarten Nebelschwaden und prallen Tautropfen begleitet.

Jetzt ist es an der Zeit, die reifen Trauben heim zu holen, zu wimmen, wie es im Fachjargon heißt. Auch Josef Sölva, Weinbauer aus Kaltern macht sich dieser Tage zur Weinlese in seinem Weingut Niklas auf. Knapp sieben Hektar Wein muss er ernten. 70 Prozent weiße Trauben und 30 Prozent rote. Damit entstehen später Weißburgunder, Sauvignon, Kerner, Lagrein, Vernatsch und ein bisschen Cabernet. Viel Arbeit, die ansteht. Dennoch freut sich der 69-Jährige schon darauf. Schließlich ist mit der Weinernte auch eine lange Tradition verbunden. Die des Polenta-Kochens. „Plent“, wie der Maisbrei hierzulande genannt wird.

Wie früher wird der "Plent" immer noch im Kupferkessel gekocht
Wie früher wird der „Plent“ immer noch im Kupferkessel gekocht

Herr Sölva, was hat es mit der Tradition auf sich?

Die Tradition gibt es schon sehr lange. Früher hatten die Leute fast nur Polenta, das war die alltägliche Kost, die auch in den Weinbergen während der Weinlese gekocht wurde. Damals haben in Kaltern auch um elf Uhr Vormittags die Kirchenglocken geläutet. Die Leute machten auf dieses Signal hin „Feirum“ (Feierabend) und schon bald sah man überall in den Weingütern Rauch aufsteigen. Die Männer holten mühsam Wasser von einer Quelle und kochten in einem Kupferkessel die Polenta. Kupfer ist ein guter Wärmeleiter. So wird die Polenta heiß, brennt nicht an und es entstehen die guten knusprigen „Schearn“ (Raspen).

Wenn wir heute in einer der drei großen Parzellen wimmen, kochen wir zum Mittagessen immer traditionell Polenta. Dort sind 5000 bis 6000 Quadratmeter zu bearbeiten, dafür braucht man den ganzen Tag.

Was wurde traditionell zur Polenta gegessen?

Es war ein einfaches Essen. Es gab Würste dazu und Gerstenkaffee. Zuerst wurden im Wasser Würste gekocht. Waren sie gar, wurden sie herausgenommen und das Polentamehl eingerührt. So war bereits ein bisschen Fett im Wasser – wir haben nie zusätzlich Butter dazugegeben. Auch heute koche ich die Polenta noch so wie früher, aber neben einer Wurst gibt es heute auch Käse wie Gorgonzola dazu und auch mal eine Nachspeise. Auch ein Glas Wein darf natürlich nicht fehlen.

Wie viele Leute helfen Ihnen bei der Weinlese?

Es sind immer zwischen zehn bis 15 Leute. Manchmal laden wir auch Freunde zum Polenta-Essen ein, sie müssen vorher aber auch beim Wimmen helfen. (lacht) Ich habe drei Kinder und neun Enkelkinder. Auch die helfen gerne mit. Sie haben eine Gaudi, weil es immer wieder ein Erlebnis ist. Ein „Plent“ im Freien schmeckt einfach viel besser.

Geben Sie die Tradition an Ihre Kinder weiter?

Ja, der Sohn kocht auch bereits Polenta. Wir halten an der Tradition fest.

Polenta wird aus Maismehl hergestellt und kommt als Brei mit Käse und Gemüse, gebraten zu Fisch- oder Fleischgerichten oder als Nocken auf den Tisch.

plent klJosef Sölva: „Eine Polenta im Freien schmeckt einfach viel besser.“

 

Rezept für vier Personen
1 l Wasser
200 g Maisgrieß
50 g Butter
Salz
geriebene Muskatnuss
50 g geriebener Parmesankäse

Zubereitung
Wasser salzen, Butter dazugeben und aufkochen. Langsam den Maisgrieß einrieseln lassen und fünf Minuten rühren. Bei wenig Hitze zugedeckt mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen. Zum Schluss mit geriebener Muskatnuss und Parmesankäse abschmecken.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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