Schönwetterlage

Schönwetterlage

Nichts als die Wahrheit über den Klimavorteil Südtirols

Klima und Wetter: Es gibt wenig, womit sich die Menschen mehr beschäftigen und worüber sie eifriger diskutieren. Dabei ist die Lage klar. Bei Klima und Wetter geht es um Daten und Fakten, um nichts als die wissenschaftliche Wahrheit. Meteorologe Daniel Schrott, Südtiroler Wettermann bei Österreichs größter Radio- und Fernsehgruppe ORF, klärt uns auf über die brennendsten Fragen zum Klima in Südtirol. Soviel vorweg: Hierzulande gibt es mehr Sonne und deutlich weniger Nebel und Regen als anderswo (wir wussten es ja schon immer!).

Daniel Schrott - Interview Schönwetterlage Südtirol - Wetter in Südtirol

Was kann das Südtiroler Klima was jenes der Nachbarregionen nicht kann?

Das Südtiroler Klima ist, vor allem verglichen mit den Regionen nördlich davon, auf jeden Fall ein mildes. Südtirol profitiert von seiner geschützten Lage im Herzen der Alpen. Das „kleine Landl“ liegt an der breitesten Stelle der Alpen, und zwar genau in deren Mitte: Von Bozen sind es nach Verona in etwa 120 km (Luftlinie) und bis ins Bayerische Alpenvorland ebenfalls 120 km. Diese geschützte Lage bewirkt, dass Störungen bzw. Tiefdruckgebiete uns oft nur in abgeschwächter Form erreichen. Sprich es regnet seltener. Verglichen mit den Regionen am Alpenrand gibt es in Südtirol auch nur ganz selten Nebel. Zudem liegt Südtirol an der Alpensüdseite, die sich ohnehin durch stabileres, milderes Wetter als die Alpennordseite hervortut. DAS Südtiroler Klima gibt es allerdings nicht. Denn in Südtirol gibt es aufgrund der großen Höhenunterschiede zwischen 200 und fast 4000 m viele verschiedene Klimazonen.

 

Wie viele Sonnentage gibt es in Südtirol tatsächlich?

Südtirol ist sonnig, daran besteht kein Zweifel. Als Meteorologe tue ich mich schwer mit dem Begriff Sonnentage. Wie lange muss die Sonne wirklich scheinen, damit es ein Sonnentag ist? Mindestens die Hälfte der möglichen Zeit? Und was ist, wenn es zwischendurch mal einen Regenschauer gibt? Viel besser und vernünftiger ist es, die Sonnenstunden für sich sprechen zu lassen. Die lassen sich einfach zählen und vergleichen. In Südtirol gibt es davon im Schnitt über 2000 pro Jahr. In den Sonnenhotspots in Südtirol kommt man sogar in die Nähe von 2500 Sonnenstunden, also auf 2 Drittel der möglichen Zeit. Das ist für Mitteleuropa ein extrem hoher Wert. Zum Vergleich: München kommt als eine der sonnigsten Städte Deutschlands auf gerade einmal 1756 Sonnenstunden pro Jahr.

Sonne in den Bergen in Südtiol - Interview Schönwetterlage Südtirol - Wetter in Südtirol

Welche sind die sonnenreichsten Orte in Südtirol?

Ich würde hier vier Gebiete nennen. Den Reggelberg, also die Gemeinden Aldein und Deutschnofen, den Ritten, den Tschöggelberg mit den Gemeinden Jenesien, Mölten, Vöran und Hafling und dann noch den Vinschger Sonnenberg. Alle diese Gebiete haben eine Gemeinsamkeit: Sie liegen erhöht in Lagen oberhalb von 1000 m und mehr. Dadurch bekommen sie auch im Winterhalbjahr, wenn viele Orte im Tal länger im Schatten der Berge liegen, viel Sonnenschein. Zudem gibt es auf diesen Höhenzügen keine allzu hohen Berge im Süden, über denen sich im Sommer öfters dicke Quellwolken bilden.

 

Wo fällt der meiste Niederschlag?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn nicht überall hat man eine Wetterstation aufgestellt und misst tatsächlich auch den Niederschlag. Allgemein gilt: Auf den Bergen schneit und regnet es mehr als in den Tälern. Die größten Niederschlagsmengen fallen in den Dolomiten, rund um den Ortler sowie in den Stubaier und Zillertaler Alpen. Am Neves-Stausee, am Schneeberg oder auch am Karerpass fallen im Laufe eines Jahres bis zu 1500 l/m². Das ist aber verglichen mit Lagen am Alpenrand (Bregenzerwald, Salzkammergut, Tessin, Friaul) immer noch wenig. Im Vergleich dazu fallen im Vinschgau zwischen Prad und Naturns nur rund 500 l/m². Der Vinschgau ist damit das trockenste Tal in den Alpen.

Reschensee Sonne im Vinschgau - Interview Schönwetterlage Südtirol - Wetter in Südtirol

Was sollte man sonst noch unbedingt wissen übers Klima in Südtirol?

Die höchste je in Südtirol gemessene Temperatur war 40,1 Grad am 11. August 2003. Die tiefste Temperatur im bewohnten Gebiet waren -29 Grad in Toblach am 10. Februar 1969. Die trockenste Jahreszeit ist der Winter, die feuchteste der Sommer. Der Grund hierfür liegt in den Gewittern, bei denen es in einer Stunde mehr regnen kann als in einem ganzen Wintermonat. Ganz anders als z.B. im mediterranen Klima am Mittelmeer. Dort gibt es den meisten Niederschlag im Winterhalbjahr. Im Frühjahr zählt Südtirol, und hier die Lagen unterhalb von 500m (also der Bereich von Meran bis Salurn), öfters zu den wärmsten Gebieten Europas, ist also sogar wärmer als der Mittelmeerraum. Hier dämpft nämlich das noch vom Winter kalte Wasser die Temperaturen an Land, während in den Südtiroler Tälern die Luft durch die starke Sonne schon kräftig erwärmt wird.

Rainer Hilpold ist gebürtiger Meraner; nicht unbedingt ein Mann der vielen und großen, sondern eher der wenigen, dafür treffenden Worte. Berg-See, Stadt-Land, Mediterran-Alpenländisch, Outdoor-Indoor? „Zum Glück muss man sich als Südtiroler nicht festlegen. Nur eines darf niemals fehlen: der Genuss.“

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