Südtirol, Land der Tennis-Talente

Südtirol, Land der Tennis-Talente

Der Pusterer Jannik Sinner ist auf dem Sprung in die absolute Weltspitze

Südtirol und der Wintersport – diese Verbindung liegt nahe; die Verbindung von Südtirol und Tennis näher als man denkt. Wenn man in Südtirol vom „weißen“ Sport spricht, geht es dabei nicht immer um Schwünge mit zwei Brettern, nein auch mit dem Schläger. Über 450 Tennisplätze gibt es hierzulande, verteilt auf um die 200 Tennisanlagen. Wer der gelben Filzkugel nachjagen möchte, hat überall in Südtirol die Qual der Wahl. Einer der zweifellos schönsten Clubs, jener von Rungg in der Gemeinde Eppan, veranstaltet zudem seit mehr als 20 Jahren ein Profi-Tennisturnier mitten im Grün des Montiggler Waldes. 3 weitere finden in Gröden und eines in Bozen statt. Kurzum: In Südtirol geben sich die Tennisasse die Klinke in die Hand.

Was wäre aber ein Tennisland ohne eigene Tennis-Stars? Und selbst da hat Südtirol einiges vorzuweisen, so schafften es mit Andreas Seppi und Karin Knapp in den letzten Jahren gleich 2 Südtiroler unter die Top 100 der Weltrangliste. Die nächste große Tennishoffnung, der 17-jährige Jannik Sinner aus Sexten im Hochpustertal, ist auf dem besten Weg dorthin. Er ist der erfolgreichste Tennisspieler seines Alters weltweit und wird in Fachkreisen entsprechend hoch gehandelt. Wir haben das sympathische, geerdete Tennistalent (das eigentlich auch ein Skitalent ist) getroffen und mit ihm über seinen Weg, seine Ziele und sein Vorbild Roger Federer gesprochen.

Jannik Sinner - Südtirol Land der Tennis-Talente - Tennis in Südtirol

Wie bist du zum Tennissport gekommen?

Das erste Mal am Tennisplatz habe ich mit 3 Jahren gestanden. Bis zu meinem 9. Lebensjahr habe ich aber nie intensiv gespielt, sondern nur hin und wieder mit meinem Vater oder einem Tennislehrer. Tennis spielte zu dieser Zeit nicht die Hauptrolle, mein Fokus lag auf dem Skisport, nebenbei war ich auch noch im Fußballverein.

Auf welchen Plätzen bist du groß geworden?

Ich habe zu Beginn vor allem in Innichen gespielt, später auf verschiedenen Plätzen im Pustertal. Dort gibt es einige wirklich sehr schöne Anlagen. Aber wie gesagt, Tennis war damals noch nicht meine Nummer 1.

2008 warst du Ski-Italienmeister im Riesenslalom.

Genau. Als ich dann aber nach St. Georgen bei Bruneck übergewechselt bin zu Heribert Mayr, der schon einige starke Südtiroler Tennisspieler vor mir trainiert hatte, reifte in mir der Entschluss, mich nur mehr aufs Tennis konzentrieren zu wollen.

Warum hast du Tennis dem Skisport vorgezogen?
Ich habe mich für Tennis entschieden, da es ein Spiel ist, das im Wettkampf länger als nur eine oder anderthalb Minuten dauert. Das hat mich gereizt.

Seit du 14 bist, trainierst du im Piatti Tenniscenter in Bordighera (Ligurien), wo Weltklassespieler ein und aus gehen. Wie hat er von deinem außergewöhnlichen Talent erfahren?
Das ging über Umwege. Anfangs wollte mich Cheftrainer Riccardo Piatti gar nicht sichten. Ich war damals nicht der typische Spieler, der jedes Turnier italienweit gewonnen hat und so das Interesse der Trainer-Elite auf sich gezogen hat. Nur weil Massimo Sartori, der Trainer von Andreas Seppi, darauf beharrte, ließ Piatti sich schließlich überreden. Das Vorspielen verlief dann sehr gut und er machte mir sofort ein Angebot, das ich nach kurzer Bedenkzeit auch annahm.

Was hat ihn am meisten überzeugt an dir?
Ich denke, dass es mein Ehrgeiz war und mein Antrieb, immer Neues lernen zu wollen. Und wohl auch meine Fähigkeit, Dinge schnell und richtig umzusetzen auf dem Platz.

Wie sieht dein Trainingsalltag bei Piatti aus?
Ich trainiere 6 bis 7 Stunden am Tag. Die eine Hälfte davon verbringe ich mit Tennis, die andere mit Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining abseits des Platzes. Vor Ort bekomme ich alles, was ich zum Wachsen als Spieler benötige. Zu meinen Trainingspartnern zählt der kroatische Top-20-Spieler Borna Coric. Und auch die Nummer 1 Novak Djokovic schaut manchmal vorbei, dann spiele ich ein paar Bälle mit ihm. Mein absolutes Idol ist aber Roger Federer.

Mit dem du während des ATP-Turniers in Rom trainieren durftest. Wenn man dich so am Platz beobachtet, dann strahlst du eine ähnliche Ruhe aus wie er…

Das höre ich öfters, ja. Am meisten bewundere ich, dass er immer fokussiert und trotzdem locker ist. Auf dem Platz, aber auch abseits davon. Er ist einfach eine wahnsinnig tolle Persönlichkeit.

Du bist aktuell der bestplatzierte U18-Spieler in der Weltrangliste. Wenn das so weitergeht, scheint auf dem Weg nach oben nichts unmöglich.

Ich möchte mich da jetzt nicht verrückt machen lassen. Mein Ziel ist es, ganz nach oben zu kommen, aber erzwingen kann man das nicht. Es geht Schritt für Schritt. Ich weiß, dass ich schon jetzt auf einem ähnlichen Niveau wie die Top-Spieler der Welt spielen kann, aber ich weiß auch, dass ich noch genügend Dinge zu verbessern habe. Zum Beispiel meinen Aufschlag. Noch wichtiger als diese technischen Aspekte erachte ich aber die Erfahrung. Was mich von den Besten der Besten unterscheidet, ist die Erfahrung.

Du trainierst in Ligurien und planst allein in diesem Jahr um die 30 Turniere rund um den Globus. Wie gefällt dir dieses „Nomaden-Leben“ auf der Tour?

Sagen wir es so, es stört mich im Moment nicht. Weil es mir ermöglicht das zu tun, was ich am liebsten tue, nämlich Tennis spielen. Nichtsdestotrotz kehre ich natürlich immer wieder gerne in meine Südtiroler Heimat zurück.

Was machst du, wenn du daheim bist, am liebsten?

Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Das genügt mir, da brauch ich sonst nicht viel anderes. Manchmal geht sich auch noch ein kleines Tennis- oder Fußballmatch mit früheren Vereinskollegen aus.

Nutzt du die Zeit zuhause auch, um abzuschalten vom Rummel, der letzthin um deine Person entstanden ist?

Ehrlich gesagt, freut es mich sehr, wenn ich sehe, dass soviele Tennisfans meine Erfolge mit Begeisterung verfolgen. Es ist gut zu wissen, dass sie alle hinter mir stehen, als stressig empfinde ich das nicht.

 

Rainer Hilpold ist gebürtiger Meraner; nicht unbedingt ein Mann der vielen und großen, sondern eher der wenigen, dafür treffenden Worte. Berg-See, Stadt-Land, Mediterran-Alpenländisch, Outdoor-Indoor? „Zum Glück muss man sich als Südtiroler nicht festlegen. Nur eines darf niemals fehlen: der Genuss.“

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