Südtirols Dämonen

Südtirols Dämonen

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, verlassen die Krampusse ihre Verstecke

Wo Licht ist, da ist auch Schatten, Gegenteile ziehen sich bekanntermaßen an. Genau so ist es auch beim Nikolaus und seinem Begleiter. Während der Nikolaus die guten Kinder belohnt, werden die bösen Kinder vom Krampus bestraft. Der Krampus, oder „Tuifl“, wie er oft genannt wird, ist der treue Begleiter des bärtigen Wohltäters. Seine fiese Fratze und sein beängstigendes Auftreten sorgen jedes Jahr für ein ordentliches Schauern, nicht nur bei Kindern.

Schon seit längerer Zeit begleiten die Krampusse nicht mehr nur ausschließlich den Bartträger, sondern stellen auch ihre ganz eigene Show auf die Beine. Normalerweise steigen die hässlichen Viecher bereits am Vorabend des Nikolaustags aus ihrem Versteck, aber da sich die Krampusse zunehmender Beliebtheit erfreuen, nehmen sie es mit ihrer höllischen Agenda nicht ganz so genau.

Der Brauch stammt eigentlich noch aus der Keltenzeit. Man geht davon aus, dass der Ursprung in den österreichischen Ostalpen liegt. Die Menschen haben sich damals maskiert, um die Geister des Winters mit rituellen Tänzen zu vertreiben. Während der Inquisition war der Brauch, abgesehen von ein paar unzugänglichen Stellen in den Alpen, zeitweise fast vollständig verschwunden, da einem die Todesstrafe angedroht wurde, sollte man sich als Teufel verkleiden. Das hat den Brauch aber nicht davon abgehalten, sich nach und nach im gesamten Alpenraum auszubreiten.

Mittlerweile hat sich in Südtirol eine Art Krampusszene gebildet. Junge Menschen ziehen sich ihre Kostüme an, um den Brauch hochleben zu lassen. Vom oberen Vinschgau, bis ins hintere Pustertal wurden Krampusvereine gegründet. Beeindruckend ist dabei das Engament und der Aufwand, der hinter dem regen Treiben der Krampusse steckt. In einem Schaulauf stecken oftmals wochenlange Vorbereitungen und Planungen. Die finanzielle Last liegt dabei meist auf den haarigen Schultern der Krampusse selbst. Die Kostüme sind nämlich nicht billig, aber das hat auch seinen Grund:

Jedes Krampuskostüm ist ein Unikat. Aus zusammengeschneiderten Ziegenfellen und einem Pferdeschwanz werden die Felle des Krampus gefertigt. Das Hauptaugenmerk der Krampusse sind aber die kunstvollen Masken. Aus Zirbenholz gefertigt, und in stundenlanger Handarbeit bearbeitet, entsteht ein Krampusgesicht. Die beachtliche Detailarbeit der Masken sorgt dafür, dass man nur selten unter tausend Euro wegkommt.

Die Krampusse vom Tisner Krampusverein
Die Krampusse vom Tisner Krampusverein

Einer der wohl schönsten Vereine, den Südtirol zu bieten hat, findet sich in Tisens wieder. Der Krampusverein Tisens wurde 2006 ins Leben gerufen. Das Highlight, auf das sich die Vereinsmittglieder jedes Jahr aufs Neue freuen, ist der Nikolausumzug im Zentrum von Tisens, bei dem sogar Pyroeffekte ins Spiel kommen.

Es ist eben eine dieser Traditionen, die Südtirol so unverwechselbar machen.

Wichtige Krampustermine:

Thomas liebt es interessante Menschen zu porträtieren, Südtirols unbekannte Geschichten zu erzählen und Omas Apfelstrudel zu verspachteln, nachdem er wieder einmal eine längere Zeit für sein Studium in Wien war.

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