Süße Knödel

Süße Knödel

Blick über die Schultern: Wie Bäuerin Irmgard Marillenknödel macht

Die beigen Teigbälle dampfen heiß, als Irmgard Paris sie mit einer Kelle – immer zwei und zwei – aus dem köchelnden Wasser nimmt und sie in das Metallgefäß mit einer Mischung aus in Butter gerösteten Weißbrotbröseln, Zimt und Zucker gibt.

Eine Viertelstunde schmiegten sie sich im Salzwasser aneinander. Irmgard hat den Wecker gestellt, obwohl sie den richtigen Zeitpunkt auch im Gefühl hat. Die 35-Jährige wälzt die Knödel nacheinander in der sandig aussehenden Mischung, dann sagt sie lächelnd: „Fertig. Jetzt musst du einen probieren.“

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Die runde süße Verführung

Mit einen meint die dreifache Mutter einen süßen Marillenknödel, dem traditionellen Südtiroler Gericht, das vor allem im Vinschgau gekocht wird, schließlich wachsen vor allem hier die Golfball-großen und besonders aromatischen Vinschger Marillen. Grund sind die klimatischen Begebenheiten. Das Tal ist bekannt für seinen steten Wind, den die Marillenbäume gerne mögen und sehr sonnig.

Hier auf 1.100 m, wo vor drei Generationen einst auf einem halben Hektar Marillenbäume gepflanzt wurden, scheint im Sommer den ganzen Tag die Sonne – schon ab sechs Uhr früh. Dafür im Winter drei Monate gar nicht. „Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, als sonnenverwöhnte Schnalserin“, sagt Irmgard und lacht. Sie ist der Liebe wegen von dort weggezogen.

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Irmgard präsentiert die traditionellen Südtiroler Marillenknödel

Mit ihrem Mann Roland, 37, bewirtschaftet sie den neun Hektar großen Sonnwarthof mit 15 Kühen, einigen Schweinen, Hühnern und zwei Ferienwohnungen. Sie kümmert sich hauptsächlich um Kinder, Haushalt und Gäste. Und Ende Juli beginnt die Marillen-Ernte. Dann helfen alle gemeinsam mit. Auch die Kleinen und Oma und Opa, die mit auf dem Hof leben.

Heute, es ist Mitte Juli, sind die Marillen hier auf dem Hang des Sonnwarthofs am Nörderberg oberhalb von Schlanders noch nicht ganz gereift, deshalb mussten wir auf gekaufte ausweichen – die natürlich nur halb so gut schmecken wie die selbst geernteten. Dennoch sind die Knödel ein Gedicht. Kochen kann sie, die gebürtige Schnalserin.

Mit der Gabel steche ich den duftenden Knödel in zwei Hälften. Der Teig ist weich und lässt sich wie die Marille leicht zerteilen. Er schmeckt süß, mit einer kleinen säuerlichen Note. Genau so muss ein Marillenknödel schmecken. Und nach dem ersten, wandert noch ein zweiter auf meinen Teller.

Auch Midl, die Mutter von Roland, lässt sich die Leckerei nicht entgehen. Ebenso wie die Enkelinnen Valerie, ein Jahr, Theresa, drei Jahre alt und Elina, fünf Jahre alt – die auch gerne beim Zubereiten hilft. Heute aber nicht. Heute rührt Irmgard alleine mit routinierten Handgriffen Butter und ein Ei zusammen und hebt Mehl, Sahnequark und einen Esslöffel Grieß unter bis eine teigige Masse entsteht.

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Die Marillen werden von der Familie selbst geerntet

Mit mehligen Händen formt sie kleine, faustgroße Fladen und legt sie langsam um die erste Marille, die sie zuvor entkernt und mit einem Würfelzucker gefüllt hat. Mit beiden Händen rollt sie den Teig um die Marille, bis nichts mehr vom Orange der Frucht sichtbar ist.

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Die Zubereitung fordert auch etwas Geschick

„Wenn die ersten Marillen reif sind, dann laden wir oft die ganze Familie zum Marillenknödel-Essen ein“, sagt Irmgard. Das ist mittlerweile Tradition im Hause Paris. Auch die Gäste der zwei Ferienwohnungen der Familie essen dann mit. An diesen Tagen macht die Hausfrau und Bäuerin um die 100 Knödel, denn es kommt vor, dass ein Gast schon mal sieben Knödel alleine verputzt. Es verwundert nicht, dass es neben der atemberaubenden Aussicht über das ganze Tal die Knödel sind, die die Gäste jedes Jahr wieder anlocken.

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Der Blick ins Tal vom Hof aus

 

Einfach nachkochen

Das Rezept für Marillenknödel ist einfach. Auch Kochlaien könnten sich ranwagen, meint Irmgard. Das Rezept stammt von Midl. Woher sie es hat, weiß sie nicht mehr. Aber das ist auch egal. Hauptsache sie schmecken. Und das tun sie.

Rezept für ca. 15 kleine Marillen

Zutaten:

250 g Topfen (Mager- oder Sahnequark)

120 g Mehl

1 EL feiner Grieß

1 Ei

60 g Butter

Brösel, Zucker, Butter und Zimt zum Wälzen der Knödel

Würfelzucker

Zubereitung:

  • Etwas Butter zergehen lassen, Brösel darin leicht bräunen und dabei ständig rühren.
    Tipp von der Bäuerin: Wenn die Brösel die richtige Bräune haben, in ein anderes Gefäß schütten, damit sie nicht verbrennen. Dann etwas Zucker und eine Messerspitze Zimt dazugeben und alles gut vermischen.
  • 60 g Butter und ein Ei schaumig rühren
  • Topfen, Mehl und Grieß unterheben
  • die Marillen entsteinen und mit einem Stück Würfelzucker füllen (Tipp: die Marillen nicht ganz durchschneiden, so halten sie nachher besser zusammen)
  • mit gut bemehlten Händen kleine Knödel formen
    Tipp von der Bäuerin: Den Teig ganz dünn um die Marille verteilen, dann schmecken die Knödel besonders lecker.
  • im Salzwasser 10-15 min leicht köcheln lassen
  • in der Brösel-Mischung wälzen und mit leicht gebräunter Butter beträufeln

Tipp von der Bäuerin: Man kann die Knödel vor dem Wälzen in den Bröseln auch einfrieren. So hat man immer eine leckeren Nachtisch parat, wenn mal unangekündigt Gäste anstehen und kann die typischen Marillenknödel auch im Winter genießen.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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