Südtirol und seine Osterbräuche

Von „Fochaz“ bis „Goggele pecken“

Ostern ist nicht nur das höchste und älteste Fest im Kirchenjahr. Neben Gottesdiensten und Prozessionen wird in dieser Zeit das Brauchtum besonders gepflegt. Gerade in Südtirol halten die Menschen sehr an diesen wiederkehrenden Ritualen fest, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und die Gemeinschaft – in der Familie, im Dorf, im Tal – stärken. Tief verwurzelte Bräuche schweißen zusammen und sind sicherlich ein Schlüssel für die Solidarität, die in der Südtiroler Gesellschaft tagtäglich spürbar wird.

Bemaltes Osterei - Osterbräuche in Südtirol

Ostern ist also das Fest der Traditionen, was nicht bedeutet, dass überall in Südtirol genau dieselben hochgehalten werden. Es gibt durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Landesteilen. Eine typische Ostertradition des Vinschgaus ist zweifellos das Osterbrot „Fochaz“. Ein uralter Kinderreim erinnert daran:

„Jo, jo, jo, der Oaschtertog isch do. Der Teit der bring in Fochaz, die Touta bring a Henn, Madele, Madele, renn!“

Es geht – kurz gesagt – darum, dass der Patenonkel seinem Patenkind an Ostern ein „Fochaz“ vorbeibringt. Dabei handelt es sich um ein Fladenbrot aus Weizenmehl, das beim Ostermahl am Ostersonntag gemeinsam mit Schinken und Kren aufgetischt wird. Wer sich daran versuchen möchte, selbst ein „Fochaz“ zu backen – so wird´s gemacht:

Zutaten:

  • 400g Weizenmehl / Dinkelmehl
  • 200ml Milch
  • 40g Butter
  • 21g Hefe
  • 60g Zucker
  • 2TL Salz
  • 1 Dotter
  • 1 1/2 TL Anis

Zubereitung:

Zucker mit Hefe in Milch auflösen und 5 Minuten stehen lassen. Dotter zu Milch geben und gut mit dem Schneebesen verrühren. Mehl mit Salz und Anis vermischen und mit einem Schneebesen Luft reinschlagen. Nun das Mehl- und Milchgemisch für 7 Minuten kneten, dann wird die weiche Butter dazugegeben und nochmals 5 min geknetet. 30 Minuten zugedeckt ruhen lassen. Nach 30 Minuten einen runden Brotlaib formen und nochmals 10 Minuten zugedeckt ruhen lassen, danach leicht flach drücken und nochmals 40-50 Minuten gehen lassen. Nun noch die Oberfläche mit Wasser bestreichen und das Brot im vorgeheizten Backofen bei 175°C rund 25 Minuten backen.

Neben diesem herzhaften Ostergebäck, gibt es mancherorts in Südtirol auch das süße „Fochaz“, ein Hefegebäck in Kranz- oder Hennenform.

Hefezopf - Osterbräuche in Südtirol

Bräuche rund ums Ei

Bei keinem Ostermahl in Südtirol fehlen, dürfen natürlich bunte, hart gekochte Ostereier. Ein schönes Ritual in der Familie, das besonders die Kleinsten freut, ist das gemeinsame Bemalen am Donnerstag vor Ostern. Vielerorts greift man dabei auf selbst gemischte Farben zurück. Zum Färben eignen sich etwa rote Beete und rote Zwiebelschalen (für die Farbe Rot), Rotkohl, Holunder- und Schwarzbeersaft (Farbe Blau), Petersilie oder Spinat (Farbe Grün), Kamille, helle Zwiebelschalen, Kurkuma (Farbe Gelb). Und so geht´s: Die jeweilige Zutat mit 0,75 Liter Wasser zu einem Sud verkochen. Nach dem Filtern 2 Esslöffel Essig hinzufügen und die gekochten Eier hineinlegen. Mit einem feinen Messer oder Zahnstocher lassen sich nach dem Trocknen Motive in die Färbung ritzen.

Bunte Eier - Osterbräuche in Südtirol

Ihren großen Auftritt haben die selbst bemalten Eier – wie erwähnt – am Ostersonntag. Nicht nur am reich gedeckten Ostertisch. Bevor es nämlich soweit ist, begeben sich die Kinder im Haus auf die traditionelle Eiersuche im Garten. Danach steht der nächste Höhepunkt an, das „Goggele pecken oder hecken“. Zwei Personen haben hierbei jeweils ein Ei („Goggele“) in der Hand und schlagen („pecken“ oder „hecken“) diese gegeneinander. Zunächst werden die beiden Spitzen der Eier gegeneinandergeschlagen, anschließend die flacheren Seiten. Gewinner ist derjenige, dessen Osterei ganz bleibt. Sehr oft sind es die Kleinen, die in diesem österlichen Brauch ihre ganze Geschicklichkeit ausspielen – ganz zum Ärger der Erwachsenen. Nach dem „Pecken“ genießt man die gemeinsamen Stunden im Kreise der Liebsten!

Osterhasen - Osterbräuche in Südtirol

Rainer Hilpold ist gebürtiger Meraner; nicht unbedingt ein Mann der vielen und großen, sondern eher der wenigen, dafür treffenden Worte. Berg-See, Stadt-Land, Mediterran-Alpenländisch, Outdoor-Indoor? „Zum Glück muss man sich als Südtiroler nicht festlegen. Nur eines darf niemals fehlen: der Genuss.“

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