Südtirol und seine Weine

Südtirol und seine Weine

So liegt Ihr bei der Wein-Wahl garantiert richtig

21 Mal die Höchstnote „3 Gläser“ vom wichtigsten italienischen Weinführer „Gambero Rosso“ – keine andere Region in Italien weist eine derart hohe Qualitätsdichte auf. Doch wie kam es dazu?

In wenigen Jahrzehnten gelang Südtirol eine bemerkenswerte Verwandlung. Bis hinauf in die 1980-er-Jahre folgte die Weinwirtschaft der Devise „Mehr ist besser“, bis sie schließlich infolge eines Weinskandals auf Qualität umstellte. Diesen Kurs verfolgen die Produzenten bis heute beharrlich und treiben ihn im wahrsten Sinne auf die (qualitative) Spitze. Alleinstellungsmerkmal des kleinen Weinlandes Südtirol ist seine Vielfalt, gemeinsamer Nenner – wie erwähnt – die Qualität: Mehr als 20 Sorten fühlen sich in den verschiedenen Südtiroler Landesteilen heimisch – große französische ebenso wie autochthone. Dies deshalb, weil Klima, Böden und Höhenlagen diese Vielfalt ermöglichen. So werden hier Trauben auf 200 Metern ebenso wie auf über 1000 Metern Meereshöhe angebaut.

Weingut in St. Magdalena - Weine in Südtirol

 

Wo aber laufen die Sorten zu ihrer Höchstform auf? Hier eine kleine Orientierungshilfe:

 

Lagrein und Vernatsch (Bozen, Meran, Überetsch)

Diese historischen Rotweinsorten haben ihren Ursprung in der Region und identitätsstiftenden Charakter für den Weinanbau in Südtirol. Und doch könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Der Vernatsch als St. Magdalener, Kalterersee Auslese, Meraner Hügel, Bozner Leiten oder einfach Südtiroler Vernatsch gedeiht – wie die Namen verraten – vorwiegend im Raum Bozen, Überetsch und Meran. Und dort überwiegend auf Schwemmböden in Hanglagen auf bis zu 500 Metern Meereshöhe. Der leichte, fruchtbetonte Rotwein besitzt sanfte Tannine und präsentiert sich somit völlig anders als der kraftvolle und komplexe Lagrein. Letzterer sorgt seit Mitte der 1990er-Jahre, dank geringerer Hektarerträge und Barriqueausbau, für Furore. Die Sorte Lagrein gedeiht am besten auf den tiefgründigen, warmen Böden im Bozner Talkessel.

Rotwein - Weine in Südtirol

 

Blauburgunder, Merlot und Cabernet (Unterland)

Diese 3 großen Franzosen haben im Südtiroler Unterland eine neue Wahlheimat gefunden. Am linken Etschufer, in Mazon, einer Fraktion von Neumarkt, finden wir einige der besten Blauburgunder-Lagen italienweit vor. Lehmböden mit hohem Ton- und Kalkanteil und die wärmende Nachmittagssonne verleihen dem Blauburgunder Weichheit und Eleganz. Ihr volles Potenzial entwickeln die beiden Bordeauxsorten Cabernet und Merlot hingegen vorwiegend auf dem rechten Etschufer zwischen Margreid und Tramin – auf sandigen, warmen und tiefen Böden. Die geologischen, geografischen und klimatischen Bedingungen vor Ort eignen sich ideal für den Anbau hochwertiger Cabernet- und Merlotweine.

Gläser mit Rotwein - Weine in Südtirol

 

Weißburgunder (Etschtal, Überetsch)

Zu den weißen Leitsorten Südtirols zählt der Weißburgunder, der auf 550 Hektar Fläche in Höhenlagen bis zu 800 Metern angebaut wird. Am wohlsten fühlt er sich im Überetsch, vor allem in der Gemeinde Eppan, und im Etschtal zwischen Bozen und Meran. Seine frische Säure und die strohgelbe Farbe im Glas sind typische Eigenschaften des Weißburgunders „made in Südtirol“.

 

Silvaner und Kerner (Eisacktal)

Das Eisacktal hat sich beim Weinbau weniger an Frankreich als an Deutschland orientiert. Kerner und Sylvaner sind 2 Weißweinsorten, die von dort eingeführt und heute südtirolweit vorwiegend im Eisacktal zu finden sind. Der kraftvolle und geschmacksintensive Kerner, eine Kreuzung zwischen Vernatsch und Reisling, gedeiht auf den sehr leichten, schottrigen und sandigen Böden in den höheren Lagen des mittleren Eisacktales, wo das Klima von vielen Sonnenstunden gekennzeichnet ist. Der Sylvaner entfaltet sich am besten in den nicht zu hohen, luftigen und warmen Hanglagen des mittleren Eisacktales. Auf flachgründigen, schottrigen Verwitterungsböden entwickelt er seine besondere Feinheit und Eleganz.

Reben im Eisacktal - Weine in Südtirol

 

Riesling (Vinschgau)

Zwar gibt es auch andernorts in Südtirol hervorragende Riesling-Weine, im Eisacktal zum Beispiel, aber die Shootingstars der Sorte kommen aus dem Vinschgau, wo man erst vergleichsweise spät (in den 1990er-Jahren) deren Potenzial erkannte. Im größten Trockental der Alpen herrscht ein ganz eigenes Klima mit weniger als 500 mm Jahresniederschlag vor, das dem Riesling besonders gut gefällt. Vor allem die höheren Lagen am Sonnenberg bevorzugt er. Anders als deutsche Riesling-Weine werden jene aus Südtirol vollkommen durchgegoren und ohne Restsüße ausgebaut. Das tut der Frische und Eleganz der Weine gut.

Weintraube - Weine in Südtirol

 

Gewürztraminer (Unterland)

Eine Sonderstellung in Südtirol nimmt der Gewürztraminer ein. Auch wenn seine Herkunft nicht zweifelsfrei geklärt ist, darf er dennoch in unserer Liste nicht fehlen. Geschmacklich polarisiert er wie kaum ein anderer Wein: Für die einen ist er DER Appetitanreger und Dessertwein schlechthin. Für die anderen bietet er von allem zu viel – zu viel Frucht, zu viel Exotik. Außer Frage steht, dass der aromatische Gewürztraminer zu den gefragtesten Weißweinen aus Südtirol zählt. Auf kalkreichen, lehmigen Böden, in warmen, luftigen Lagen im Süden Südtirols, in der Gegend um Tramin (vermutlich auch Namensgeber des Weins), läuft er zur Höchstform auf.

Weingläser - Weine in Südtirol

 

Mein abschließender Tipp: Macht Euch die Wahl des Weines von Eurem jeweiligen Standort abhängig – Weine schmecken nämlich immer dort am besten, wo sie angebaut werden!

 

 

Rainer Hilpold ist gebürtiger Meraner; nicht unbedingt ein Mann der vielen und großen, sondern eher der wenigen, dafür treffenden Worte. Berg-See, Stadt-Land, Mediterran-Alpenländisch, Outdoor-Indoor? „Zum Glück muss man sich als Südtiroler nicht festlegen. Nur eines darf niemals fehlen: der Genuss.“

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