Wellness für Männer?

Wellness für Männer?

Wellness und Testosteron passen zusammen wie Wurst und Nutella - möchte man meinen.

Männer und Wellness? Ja so etwas gibt es. Wellness ist schon seit Jahren keine reine Frauendomäne mehr. Immer mehr Männer trauen sich in einen Schönheitstempel und sorgen dadurch für eine regelrechte Renaissance in diesem Bereich. Grund genug also, die ganze Sache ausgiebig zu testen und es sich gut gehen zu lassen. Schließlich will ich ja nicht, dass mir nachgesagt wird, dass ich mich für diesen Blog hier nicht ins Zeug legen würde.

Tiefenmassagen und Manuel Neuer

Der Abend ist noch jung, als ich mein Auto auf dem Parkplatz des Park Hotel Mignon in Meran abstelle. Ich fühle mich ein wenig fehl am Platz, denn um ehrlich zu sein, war mir diese Wellnesswelt immer zuwider. Sie schien mir einfach zu oberflächlich und zu stumpf, aber hier stehe ich nun, drauf und dran, in die wunderbare Welt der Gesichtsmasken, Tiefenmassagen und Hautpflegeprodukte einzutauchen. Juhu!

Als ich den hell erleuchteten Eingang des Park Hotels betrete, werde ich von der Empfangsdame begrüßt. Mit einem Lächeln fragt sie mich nach meinem Ausweis. Während sie meine Daten in den Computer eintippt, bestaune ich die Wand mit Zeitungsartikeln und Fotos von Berühmtheiten, die das Hotel bereits beherbergt hat. Ich staune nicht schlecht, als ich Weltstars wie den deutschen Fußballnationalspieler Manuel Neuer, den Sänger Bobby McFerrin und die deutsche Tennislegende Boris Becker an der Wand entdecke. Die Dame tippt mir auf die Schulter und überreicht mir meine Keycard, die mir den Zugang zu meinem Zimmer ermöglichen soll.

Während ich zu meinem Zimmer gebracht werde, weist man mich darauf hin, dass für mich morgen um 8 Uhr eine Gesichtsbehandlung nach Maria Galland vorgesehen ist.

Keine 10 Sekunden, nachdem die Tür in das Schloss gefallen ist, finde ich mich schon im Bademantel wieder, der samt Badeschlappen auf dem Bett liegt. Das Zimmer ist schön und gemütlich. Ich schaue mich um. Auf dem Tisch neben dem Bett steht eine Flasche Rotwein, ein Willkommensgruß des Hauses – kann man machen.

Ich öffne die Flasche und setze mich auf den Balkon. Vor mir tut sich das wunderschöne Panorama Merans auf. Ich genieße die Nacht bei einem Glas Vernatsch und einem guten Buch.

Tolle Zimmer!

Es ist halb 8 Uhr morgens, als mich mein Wecker aus den Federn reißt. Ich schlüpfe in meine Badeschlappen und düse mit dem Aufzug in den SPA-Bereich des Hotels. Dort werde ich herzlich von einer Frau in weißer Uniform begrüßt. Sie stellt sich als Wally vor, das Namensschild gibt ihr Recht. Wally ist die SPA-Lady des Hauses. Sie kommt ursprünglich aus dem Passeiertal, wie sie mir verrät. Seit dem Abschluss ihrer Lehre lebt sie aber in Meran.

Wellness ist nicht gleich Wellness

Ich frage Wally nach dem Unterschied zwischen Frauen-Wellness und Männer-Wellness. Sie erklärt mir, dass es im Männerbereich weniger Duftstoffe gebe: „Darauf stehen die Männer nicht so besonders“, meint sie. Auch die Schwerpunkte liegen anders. Männer stehen auf Behandlungen, aus denen sie einen unmittelbaren Nutzen ziehen.

Wally bittet mich auf die Liege. Ich tue, wie mir gesagt wird und warte auf weitere Instruktionen. Wally meint, dass ich mich einfach entspannen solle, sie würde dann den Rest erledigen.

Die Dame in Weiß beginnt mit der Behandlung.

Entspannen fällt einem gar nicht so leicht, wenn man die ganze Zeit mit irgendwelchen Ölen und Salben vollgeschmiert wird. Aber schon nach kurzer Zeit fühle ich mich pudelwohl, auch wenn sich mir der wirkliche Nutzen des Ganzen noch nicht erschließen will. Irgendwann holt Wally eine seltsam anmutende Maschine hinzu, die mich irgendwie an ein Arbeitsgerät meines Zahnarztes erinnert. Als sie den Einschaltknopf drückt, schießt Dampf aus der Maschine direkt in mein Gesicht. Was sich wie eine Szene aus einem Horrorfilm anhört, ist eigentlich ziemlich angenehm.

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Nach einer Stunde reiben, dampfen, massieren, wärmen, drücken, ziehen und einölen sind wir fertig. Ich springe von der Liege und freue mich auf ein ausgiebiges Frühstück. Ich verabschiede mich von Wally und bedanke mich.

Bis heute dachte ich immer, dass es im Wellness nur darum geht, irgendwelchen unerreichbaren Schönheitsidealen hinterher zu laufen, aber ich habe mich getäuscht. Im Wellness geht es darum, sich zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen. Das gefällt auch uns Männern, wenn wir nicht gerade Bäume fällen, Sachen reparieren oder Bären mit bloßen Händen erlegen.

Thomas liebt es interessante Menschen zu porträtieren, Südtirols unbekannte Geschichten zu erzählen und Omas Apfelstrudel zu verspachteln, nachdem er wieder einmal eine längere Zeit für sein Studium in Wien war.

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