Wenn die Alpen erglühen

Wenn die Alpen erglühen

König Laurin und sein Rosengarten

Die Sonne ist hinter den Bergspitzen des Rosengartens versunken, über die Nebentäler haben Schatten ihre Arme ausgebreitet. Während letzte Strahlen die Gesteinsmassen streicheln, erröten die kahlen Felsen langsam wie die glühenden Wangen eines Mädchens beim ersten Kuss. Goldig, zartrosa, orange, purpur … Die eben noch blassen Wangen des Rosengartens schimmern in allen feurigen Farben. Das Sonnenlicht streut – reflektiert auf die sechs Spitzen, die aus der Mitte des Gebirgsstocks emporragen. Goldene Lichtpartikel klammern sich an die Felshänge und Schneefelder der Dolomiten und verwandeln die Gebirgskette in ein feuriges Naturschauspiel. Die Alpen glühen! Enrosadira wird das Phänomen liebevoll in Italienisch genannt.

Der Sage nach sei der Zwergenkönig Laurin Schuld an den feurigen Bergen, so erzählt man es sich hier in Südtirol. Blickt man hinauf, auf die tiefe Mulde des Hauptgipfels, so leuchtet sie jedes Mal besonders intensiv. Der Sage nach soll sich hier der Eingang zu König Laurins Rosengarten befinden.

Eines Tages suchte der König an der Etsch für seine zauberhafte Tochter Similde einen Gemahl. Alle aus der Umgebung wurden zum Wettkampf um die Braut eingeladen, nur König Laurin nicht. Mit Hilfe seiner Tarnkappe gelang es ihm doch hinzugehen und er verliebte sich sofort in die Schönheit. Er nahm sie mit, doch es dauerte nicht lange, dann suchte man nach ihnen und dieses Mal half dem König auch seine Tarnkappe nicht – man erkannte ihn an der Bewegung der Rosen. Er war wütend und fühlte sich von seinem Rosengarten verraten. Kein Mensch sollte ihn je wieder zu Gesicht bekommen – weder bei Tag noch bei Nacht. Das schwor er sich und verfluchte ihn. Die blühenden Rosen verwandelte er in kalten Stein. Doch der Zwerg hatte die Dämmerung vergessen. Und so kommt es, dass der Rosengarten im Naturpark Schlern-Rosengarten bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang lodernd erblüht. Auch heute Abend. Und die Südtiroler blicken besonnen und mit einem Grinsen im Gesicht auf das atemberaubende Schauspiel. Schließlich wissen sie, wer dafür verantwortlich ist.

Petra liest und schreibt im Ultental. Sie will noch viel reisen, aber immer wieder zurückkehren. Denn obwohl die Leute hier manchmal etwas engstirnig sind, kann sie sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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